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Einzug in alte Jugendherberge Sandhatten Leben nach Ideal der Ökodörfer

Von Katja Butschbach | 28.08.2015, 21:23 Uhr

Eine ökologische Lebensgemeinschaft wächst auf dem Gelände der ehemaligen Jugendhofs Menschen verschiedener Generationen leben und entscheiden dort gemeinsam.

Über zwei Hektar Wiese, über fünf Hektar Wald: Auf diesem Gelände gestaltet die Gemeinschaft Clan B seit Anfang des Jahres die ehemalige Jugendherberge Sandhatten für ihr großes Projekt um: Ein richtiges Ökodorf sei es aufgrund der Dimension nicht, meint Thorsten Gerth, „wir nennen uns ökologische Lebensgemeinschaft.“ Der Bremer Naturfriseur ist einer der Menschen, die auf dem Areal der ehemaligen Jugendherberge leben werden. Die Altersspanne reicht von vier bis 64 Jahren.

„Natürlich wohnen, sich mit verschiedenen Generationen austauschen“

„Ich habe keine Kinder, wollte natürlich wohnen, mich mit verschiedenen Generationen austauschen“, erläutert Gerth seine Motivation, nach Sandhatten zu ziehen. Biologisches Essen sei ihm ebenfalls wichtig – in der Genossenschaft müsse er nicht mehr für sich allein kochen. „Man findet hier auch ständig Anregung.“

Gerth plant eigene Praxis

Aktuell wohnen auf dem Genossenschaftsgelände bereits eine Familie mit drei Kindern und zwei Erwachsene, berichtet Gerth, der dort künftig eine Praxis betreiben will. Gerth lebt am Wochenende in der alten Jugendherberge, packt bei den notwendigen Arbeiten mit an: Holzdecken werden herausgerissen, alte Gegenstände entsorgt, Fenster gereinigt. Noch im September wollen ein bis zwei weitere Familien fest nach Sandhatten ziehen, im nächsten Frühjahr sollen es insgesamt 20 Erwachsene sein.

Kein reines Wohnprojekt

„Es ist kein reines Wohnprojekt“, stellt Gerth fest. „Wir sind eine Gemeinschaft.“ Zusammen werden wichtige Fragen diskutiert – wie es dem Einzelnen mit seinem Beruf geht oder wie es in der Partnerschaft aussieht. Allerdings habe jeder seine eigene Wohnung. Alle wichtigen Fragen würden im Konsens entschieden: Sollen Tiere gehalten werden? Wie soll der Bodenbelag aussehen?

„Achten auf Herzlichkeit“

Dies halte für die Bewohner aber auch Herausforderungen bereit: So wurde in der Frage der Bodenbeläge lange miteinander gerungen. Auch wird manchmal besprochen, wie die Arbeit aufgeteilt ist – manche machten mehr Pausen als andere, die Geschwindigkeit sei unterschiedlich. Aber bei allem, meint Gerth, „achten wir auf Herzlichkeit“.

Lernen von anderen Gemeinschaften

Die Art des Zusammenlebens sei in anderen Ökodörfern erprobt worden: „Wir lernen von anderen Gemeinschaften.“ Bekannt sei etwa das Ökodorf Sieben Linden im Altmarkkreis Salzwedel, und das Ökodorf in Steyerberg im Landkreis Nienburg sei einer der engsten Nachbarn.

Sind Ökodörfer im Trend? „Das nimmt eindeutig zu“, sagt Gerth und berichtet: „Wir sind kein Selbstversorgerbetrieb.“ Der Wald werde nicht bewirtschaftet, und eingekauft würden Bioprodukte und regionale Produkte.

Arbeit vom Jugendhof aus: Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Künstler und Ingenieur gehen nach Sandhatten

Heilpraktiker, Physiotherapeuten, Künstler, ein Ingenieur: Sie alle wollen wie Gerth von ihrem neuen Wohnsitz aus arbeiten. Ein Seminarwesen mit Umweltbildung, Vogelkunde und mehr ist ebenfalls geplant. Regelmäßig wird auch zum Sonntags-Café eingeladen. „Wir verstehen uns ein wenig als Dorfgemeinschaftshaus“, so der Naturfriseur.

Strohballenlehmhaus denkbar

„Wir könnten noch erweitern“, sagt Gerth. So sei ein weiteres Stockwerk denkbar oder auch ein Strohballenlehmhaus. In einer zweiten Stufe ist angedacht, vor allem junge Familien und Alleinerziehende mit Kind einziehen zu lassen. „Dies ist ein Ort für Kinder“, sagt Gerth. Aufgenommen werden könnten die Neuen Ende kommenden Jahres, aber ein Kennenlernen sei bereits jetzt möglich.

Leben im alten Jugendhof kostet 20.000 Euro

Aktuell sind noch ein bis zwei Wohnungen frei: 20.000 Euro zahlt jeder, der im früheren Jugendhof leben möchte. Ein Genossenschaftsanteil ist 1000 Euro. Über Mundpropaganda seien die Menschen, die dort wohnen möchten, zusammengekommen.

Es gibt viele Ideen für die Zukunft: Ferienkinder und ein Freiwilliges Ökologisches Jahr würden laut Gerth gut in der früheren Jugendherberge passen. Doch noch steht nichts fest – denn entschieden wird in der Gemeinschaft.