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Ende des Zweiten Weltkriegs Ganderkesee: Im Krieg über brennende Treppe geflohen

Von Katja Butschbach | 13.04.2015, 22:38 Uhr

Zeitzeugenberichte über das Ende des Zweiten Weltkriegs in Ganderkesee sind in einer Broschüre von Werner Lüdeke und Hermann Speckmann nachzulesen. Die Texte waren bisher unveröffentlicht.

Ganderkesee. Autor Werner Lüdeke und Heimatforscher Hermann Speckmann haben das Ende des Zweiten Weltkriegs in Ganderkesee miterlebt – gemeinsam haben sie jetzt ihre Broschüre „Zur Erinnerung – Vor 70 Jahren: Der Kampf um Ganderkesee am 20./21. April 1945“ präsentiert. Zehn Exemplare gehen an Bibliotheken, nach einer Startauflage von 30 Exemplaren wurden nun 20 nachgedruckt.

Die Beiträge stammen von Zeitzeugen und sind zuvor noch nicht veröffentlicht worden. Die Schilderungen zeigen, dass der Ort, so Speckmann, „vernichtet wurde“. Im Ort sind damals vier Soldaten gefallen; auch gab es acht zivile Opfer. An den letzten Kriegstagen, von denen die Zeitzeugen berichten, sind 52 Häuser verbrannt, darunter die Alte Dorfschule und die Gasthöfe „Zur Eiche“ und „Zur Börse“. Mit Flammenwerfpanzern wurden Häuser angezündet.

Speckmann erinnert sich daran, wie er als Siebenjähriger mit Mutter und Schwester im Keller des Bahnhofs saß, der angesteckt wurde. Über die bereits in Flammen stehende Treppe floh die Familie aufs Feld und brachte sich in Sicherheit.

Die Erinnerungen sitzen laut Lüdeke tief: Wenn Flugzeuge von Westen kommen, sehe er noch immer auf, und die Bilder von damals kommen wieder – die Markierungsbomben sahen am Himmel aus wie Christbäume. Werner Lüdeke war im April 1945 acht Jahre alt.

Eine Erinnerung vom 21. April, von der er schreibt, ist der Blick auf das brennende Dorf von der Urneburger Straße aus. „Als Fackel dastehend unsere Kirche. Ein schlimmer Anblick.“

Neben Werner Lüdekes Schilderungen sind in der Broschüre auch Berichte von Waltraud Härtel, Helmut Schütte sowie von einer Person zu lesen, die nicht namentlich genannt werden möchte. Im Anhang befinden sich polizeiliche Protokolle über Raubüberfälle in den ersten Monaten nach dem Krieg. In dem Heft sind auch historische Fotos und Illustrationen von Heinz-Günter Vosgerau zu finden.