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Energiewende im Kreis Oldenburg Oldenburger Kreislandvolk will Pacht für 380-kV-Leitung

Von Thorsten Konkel | 28.10.2015, 16:21 Uhr

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Seit mehr als 10 Jahren laufen die Planungen für die 380-kV-Höchstspannungsleitung von Ganderkesee nach St. Hülfe. Das Kreislandvolk rät in diesen Tagen seinen betroffenen Mitgliedern und Grundstückbesitzern, keine Verträge zur Durchleitung der Stromtrasse zu unterzeichnen: „Bei der Entschädigung von Grundeigentümern fordern wir wiederkehrende Zahlungen anstelle von Einmalzahlung“, sagt Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes.

Landvolk sieht große Belastungen

Bei der Entschädigung der von ihnen vertretenen Grundeigentümern fordern die Bauern von dem Übertragungsnetzbetreiber Tennet vehement wiederkehrende Zahlungen. Die bisher vorgesehene einmalige Entschädigung stehe in keinem Verhältnis zu den erheblichen und dauerhaften Einschränkungen auf den Flächen. „Die Grundeigentümer würden durch den Leitungsbau und den Leitungsunterhalt erheblich belastet“, sagte Bernhard Wolff dem dk am Mittwoch. Dies betreffe vor allem die ins Grundbuch einzutragende Grunddienstbarkeit.

Stromleitung beeinträchtig bäuerliche Entwicklung

„Die Bauern können nicht mehr frei über ihre Flächen verfügen oder sich entwickeln“, befürchtet der Kreislandvolkgeschäftsführer. Die Verhandlungen mit Tennet um einen angemessenen Ausgleich bezeichnet Wolff als „kritisch und sachlich“.

Tennet ist gesprächsbereit

Eine bald anstehende weitere Gesprächsrunde hat am Mittwoch auch Inga Wilken, bei Tennet Referentin für Bürgerbeteiligung, auf dk-Nachfrage bestätigt.

Einer Erdverkabelung bei Höchstspannungsleitungen stehen die Landwirte kritisch gegenüber: „Da schlagen zwei Seelen in unserer Brust“, räumte Wolff ein. Der Erdkabelbau mit besonders massiven Eingriffen in die Bodenstruktur und die Ertragsfähigkeit der Böden verbunden. „Es kann Jahre oder Jahrzehnte dauern, bis der Boden sich wieder erholt hat“, sagte Wolff.

Planfeststellungsbeschluss wohl nicht vor Anfang 2016

Mit einem Planfeststellungsbeschluss noch in diesem Jahr rechnen derzeit weder die Hauptverwaltungsbeamten der betroffenen Kommunen noch Tennet oder der Bauernverband Landvolk Oldenburg. Avisiertes Ziel ist nun das Frühjahr 2016.

Indes wächst die Hoffnung, je länger sich die Genehmigung der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau hinauszögert, desto besser stünden die Chancen für eine Trassenvariante mit möglichst viel Erdverkabelung.

So viel Erdverkabelung wie möglich

Nach wie vor ist es das Ziel von Ganderkesees Bürgermeisterin Alice Gerken-Klaas sowie ihren Amtskollegen Wöbse (Samtgemeinde Harpstedt), Schlake (Twistringen), Lübbers (Barnstorf), Bloch (Rehden) sowie Dr. Schulze (Diepholz), zumindest die vom Netzbetreiber Tennet ebenfalls beantragte Alternativtrasse mit deutlich mehr Erdkabelabschnitten durchzudrücken.

Ganderkeseer Chancen stehen gut

Laut dem Ganderkeseer Gemeindeentwicklungsleiter Peter Meyer stehen dabei zumindest für die Gemeinde Ganderkesee die Chancen gut: „Wir sind mit TenneT im Gespräch darüber, den einzigen Freileitungsabschnitt, drei Kilometer in Strudthafe, unter die Erde zu bekommen“, sagte er auf dk-Nachfrage.

Das würde bedeuten, dass die Trasse in Ganderkesee komplett unter der Erde liefe. Auf dem Gebiet der Gemeinde Prinzhöfte (Samtgemeinde Harpstedt) würde die Trasse dann zunächst als Freileitung fortgesetzt.

Samtgemeinde Harpstedt hat viel bewegt

Auf mehr Erdkabelabschnitte hofft indes der Harpstedter Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse. Die Planungen sehen bislang Abschnitte in Winkelsett und Colnrade mit vier beziehungsweise sechs Kilometern Länge vor. „Durch die verstärkte Diskussion um Erdverkabelung im Bund auch bei der Südlinktrasse, und durch unsere vielen Aktionen, hoffen wir, dass sich in dieser Hinsicht etwas tut“, sagte er. Derzeit warte man mit „angespannter Ruhe“ auf die Entscheidung. „Wir haben als Verwaltung alles getan, alle Dinge bewegt, die wir bewegen konnten“, blickte Wöbse zurück. Von Initativen sei aber weiter mit Protesten zu rechnen.