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Engagement für Flüchtlinge Ehrenamtliche Sprachmittler lernen in Wildeshausen dazu

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 18.02.2016, 15:42 Uhr

Zehn Frauen und Männer, die Brücken zwischen Deutschland und den Flüchtlingen schaffen wollen, haben in einem Kurs am Donnerstag auch Perspektivwechsel vollzogen. Der Erste Kreisrat erwartet „spannende Aufgaben“.

Die einen wollen etwas zurückgeben. Die anderen möchten just solche Hilfe leisten, welche sie ihrerseits schmerzlich vermisst hatten, als sie, aus der Heimat vertrieben, vor Jahren nach Deutschland kamen. Am Donnerstag trafen sich zehn Sprachmittler im Kreishaus Wildeshausens zum Kurs „Asylbegleitung“.

Lutz Kaminski, der den Kurs für die Kreisvolkshochschule leitete, ging es vor allem darum, mit den Teilnehmern gedankliche Perspektivwechsel zu vollziehen, um die Interessen der Asylsuchenden ebenso offenzulegen, wie jene der Behörden und der Sprachmittler selbst. Da diese nämlich in der Regel berufstätig seien, müsse man genau gucken, wer wie viel Zeit und Energie aufwenden könne, ohne sich zu verheben.

Die Gefahr ist, vom Ehrenamt „aufgefressen“ zu werden

In diesem Zusammenhang strich Ilka Schimanski, Koordinatorin des Projekts im Landkreis, heraus, wie wichtig – und zugleich schwierig – es für Sprachmittler sei, sich abzugrenzen, um nicht von ihrem Ehrenamt „aufgefressen“ zu werden und sich unversehens in der Rolle von Ersatzeltern oder Psychotherapeuten wieder zu finden. Im Kern seien sie dazu da, Asylsuchenden, welche der deutschen Sprache noch nicht mächtig seien, als Dolmetscher zu helfen: etwa bei Arztbesuchen oder bei Behördengängen.

Eine Brücke zwischen Deutschland und den Flüchtlingen

Tatsächlich, so Sehham Cercur, eine der Mittlerinnen, sehe sie ihre Aufgabe darin, als Brücke zwischen Deutschland und den Flüchtlingen zu fungieren. Parvaneh Tabblakh Maheri, die seit 14 Jahren in Deutschland lebt, sieht sich gar, obwohl sie aus dem Iran stammt, vorrangig als Brücke zwischen Deutschland und Flüchtlingen aus Afghanistan, da sie die Sprache der Afghanen versteht.

„Ich wäre froh über ein paar Tipps gewesen“

Georges Yousef, der bereits vor 30 Jahren aus Syrien nach Deutschland gekommen ist, möchte dabei helfen, heutigen Flüchtlingen aus seiner einstigen Heimat nicht nur Ängste zu nehmen, sondern ihnen auch die hiesige Kultur vermitteln: „Ich wäre damals so froh gewesen, wenn mir einmal jemand einen Brief übersetzt oder mir ein paar Tipps gegeben hätte“, erinnert er sich. Unter dem Eindruck seiner Erinnerungen fühle er sich gar verpflichtet, zu helfen.

Hanan Fakhro, die sich schon länger als Sprachmittlerin engagiert, findet allerdings auch wichtig, dass die Flüchtlinge Dankbarkeit zeigen. Apropos: Der Erste Kreisrat, Christian Wolf, dankte den Sprachmittlern gestern für ihr ehrenamtliches Engagement und strich die wachsende Bedeutung der Asylbegleitung heraus: „Ich glaube, dass auf uns noch große und spannende Aufgaben zukommen“, so Wolf.