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Entlastung für pflegende Angehörige „Sitterdienst“ seit über 20 Jahren in Ganderkesee

Von Kristina Müller, Kristina Müller | 09.05.2017, 10:29 Uhr

Angehörige für ein paar Stunden zu entlasten – das hat sich der „Sitterdienst“ für pflegende Angehörige zur Aufgabe gemacht. Nun suchen die Ehrenamtlichen nach weiteren Mitstreitern.

Spazieren gehen, vorlesen, Spiele spielen, backen, Ostereier färben oder auch einfach nur zuhören. „Eben alles, was Freude macht und was geht“, erklärt Zita Hobbensiefken. Sie ist eine von acht Ehrenamtlichen beim „Sitterdienst“ für pflegende Angehörige des Diakonischen Werks in Ganderkesee.

Ihr Ziel: Die Angehörigen für ein paar Stunden im Alltag entlasten, „damit sie mal eine kurze Atempause haben“, so Hermann Diers. Organisiert und begleitet wird der Dienst von Frank Eden, Kirchensozialarbeiter bei der Evangelischen Kirchengemeinde Ganderkesee. „Man hat nie Ruhe, wenn man jemanden pflegt“, erläutert er. „Etwas in Ruhe erledigen zu können – und sei es zum Friseur zu gehen – ist für die Angehörigen eine kleine Entlastung.“

„Ich habe keinen Tag bereut“

Einmal pro Woche schauen die Ehrenamtlichen für zwei bis drei Stunden, je nach Absprache, vorbei. „Wir betreuen Familien auch über Jahre. So haben wir oft auch viele bis zum Tode begleitet“, erinnert sich Hobbensiefken.

Auf allen Erlebnissen hat Anneliese Frahne unheimlich viel für das eigene Leben mitgenommen, wie sie selbst sagt. „Ich freue mich, wenn ich ein bisschen was bewegt habe“, so Frahne. „Ich habe keinen Tag bereut, auch wenn es manchmal bedrückend gewesen ist.“ Alle Ehrenamtlichen machen den Dienst seit über 20 Jahren, „und es macht immer noch Freude“, sind sich alle einig.

Erfahrungsaustausch

Jeden zweiten Montag im Monat treffen sich die „Sitter“ zum Austausch und berichten sich gegenseitig von ihren Erlebnissen und unterstützen sich bei Fragen. Ab und zu finden für die Ehrenamtlichen auch Vorträge oder Schulungen zu Themen wie Demenz, Erste Hilfe oder Patientenverfügungen statt.

Hervorgegangen ist die Gruppe 1996 aus dem Gesprächskreis für pflegende Angehörige. „Damals gab es den ambulanten Hospizdienst noch nicht“, erinnert sich Eden. „Jetzt ist der Sitterdienst praktisch eine Ergänzung dazu.“ Denn der werde aktiv, wenn der Hospizdienst noch nicht nötig sei oder auch einfach bei Menschen mit Beeinträchtigungen.

Jetzt suchen die „Sitter“ nach Mitstreitern. Wer interessiert ist, kann sich bei Frank Eden unter (04222) 806212 oder (04435) 389950 melden.