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Erneuerbare Energien Windmühlen in Ganderkesee in der Warteschleife

Von Alexander Schnackenburg | 04.01.2016, 17:08 Uhr

Die Gemeinde Ganderkesee möchte den Ausbau von Windenergie-Anlagen vorantreiben. Es regen sich aber auch Widerstände.

Ganderkesee. Ob der Windpark Sannauer Hellmer Gestalt annehmen wird oder nicht, liegt derzeit nicht in der Hand der Gemeinde Ganderkesee und auch nicht in jener des Partners Lemwerder. Gerichte müssen darüber befinden, ob die 14 geplanten Windmühlen auf Seiten Ganderkesees mit Höhen von 180 bis 200 Metern tatsächlich den Funkverkehr des Bremer Flughafens stören könnten, wie es die Deutsche Flugaufsicht befürchtet. Ganderkesees Bauamtsleiter Peter Meyer hofft indes weiterhin auf den Windpark.

Denn die Gemeinden, so Meyer, seien gesetzlich dazu verpflichtet, ihren Beitrag zur Nutzung erneuerbarer Energien zu leisten. Dem wolle Ganderkesee unbedingt nachkommen. Außerdem verbindet Meyer mit dem Windpark eine Reihe wohltuender Synergieeffekte für die Gemeinde, angefangen mit zusätzlichen Steuereinnahmen bis hin zur Standortprofilierung: Sannauer Hellmer sei als Forschungswindpark geplant. Und als Wissenschaftsstandort habe sich Ganderkesee bislang noch nicht sonderlich hervortun können.

Aktuell drei Windparks in Ganderkesee

Aktuell, erklärt Meyer, gebe es drei Windparks auf dem Gebiet der Flächengemeinde: in Hengsterholz, in Bergedorf und in Elmeloh-Almsloh. Sämtliche Parks sähen mittelfristig dem „Repowering“ entgegen, würden also voraussichtlich in absehbarer Zeit modernisiert. Konkrete Pläne für Bergedorf haben die Betreiber erst kürzlich den Bürgern vorgestellt.

Habe die Politik in Ganderkesee einst nur Windmühlen mit einer maximalen Höhe von 100 Metern genehmigt, so sei die Höhenbegrenzung von der Gemeinde längst ersatzlos gestrichen worden. Die Betreiber erhoffen sich von höheren Windmühlen in der Regel eine bessere Windausbeute und somit eine höhere Energieeffizienz.

Bürgerprotest von Erfolg gekrönt

Allerdings, räumt Meyer ein, hätten Bürgerproteste gegen eine Windpark-Erweiterung auch schon zum Erfolg geführt. So habe die Gemeinde Ganderkesee im Falle von Elmeloh-Almsloh bereits beschlossen gehabt, den Flächennutzungsplan dergestalt zu ändern, dass die Betreiber dort ein siebtes Windrad hätten bauen können. Eine Bürgerversammlung, zu der etwa 300 Leute erschienen seien, und die sich gegen die Pläne gewandt habe, habe die Gemeinde jedoch zum Umlenken bewogen. Die Proteste richteten sich vor allem gegen die vermuteten höheren Emissionen, vor allem Lärm, der neuen Anlagen sowie gegen den befürchteten Schattenwurf.

Ingenieur kämpft seit Jahren gegen den Ausbau

Fehler zuzugeben, um sie womöglich gar zu korrigieren, sei in der deutschen Politik offenbar nicht denkbar, konstatiert Prof. Lothar Meyer, Mitglied des Orts- und Heimatvereins Schierbrok-Stenum. Seit Jahren kämpft der Ingenieur, unter anderem als Fachbereichsleiter Technik des „Landesverbands Vernunftkraft Niedersachsen e.V.“, nach Kräften gegen die Deutsche Windenergie-Politik an, die er für falsch hält. Dass Ganderkesee den Ausbau des Windparks Elmeloh-Almsloh kürzlich vorerst gestoppt hat, ist auch auf sein Engagement zurückzuführen.

„Bislang keine bezahlbaren Speicher“

Dabei legt Meyer großen Wert darauf, ursprünglich ein großer Verfechter grüner Umweltpolitik gewesen zu sein. Allein: Den Ausbau der Windenergie weiter zu fördern, sei ganz und gar nicht umweltfreundlich, sagt er. Es beginne schon damit, dass Windmühlen immer nur dann Strom erzeugten, wenn eben Wind wehe. In der übrigen Zeit müssten konventionelle Kraftwerke immer wieder herauf und herunter gefahren werden, um den Energiebedarf abzudecken. Hierbei setzten diese Kraftwerke mehr Abgase wie Kohlendioxid frei, als wenn sie permanent und gleichmäßig liefen. Es gebe bislang keine bezahlbaren Speicher, um die Energie aus Windmühlen zu puffern – und in weiten Teilen Deutschland zudem noch nicht einmal das erforderliche Netz, um die Windenergie einzuspeisen.

Abschreckende Beispiele aus anderen Ländern

Vielleicht noch schwerer wiegt aus Meyers Sicht, dass die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Windmühlen keinesfalls nachgewiesen sei: weder mit Hinblick auf Geräuschimmissionen noch auf Druckwellen oder Erschütterungen. Zwar behaupte das Bundesumweltamt immer wieder, dass Anwohnern keine gesundheitlichen Schäden durch Windmühlen drohten. Gleichwohl hätten viele Menschen in Deutschland, den USA, Kanada und Australien fluchtartig ihre Häuser nach dem Bau von Windparks in der Nachbarschaft verlassen – und dabei enorme finanzielle Schäden in Kauf genommen.

Apropos finanzielle Schäden: Experten, so Meyer, gingen im direkten Einzugsgebiet von Windparks von einer Immobilienwertminderung in Höhe von 30 Prozent aus. Er fordert, dass die Betreiber die betroffenen Anwohner entschädigen, wie es etwa in Dänemark üblich sei.