Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Ernste Themen setzen sich durch Zwei Siegerinnen beim Poetry-Slam-Abend in Ganderkesee

Von Ole Rosenbohm | 25.11.2018, 18:46 Uhr

Poetry-Slam kommt an in Zum dritten Mal gastierten die Moderatoren Simeon Buß und Sebastian Butte mit fünf „Slammern“ im Kulturhaus Müller. Am Ende gab es zwei Siegerinnen.

Allesamt haben sie sich schon irgendwo bewiesen, auch Titel gewonnen. Titel, weil der Slam – der Wettkampf – integraler Bestandteil der Shows sind. Und auch beim dritten Poetry-Slam-Abend in Ganderkesee, wo fünf Autoren an den Start gingen, hat es Sieger gegeben – diesmal sogar zwei: Denn Eva Matz und Theresa Sperling sicherten sich gleichermaßen die Gunst des Publikums.

Viel zu lachen und viel zu schlucken

Inklusive der beiden Moderatoren Sebastian Butte und Simeon Buß waren sieben Könner im voll besetzten Kulturhaus Müller. Die Poeten präsentierten sich dabei in ihren sechs bis sieben Minuten langen Vorträgen, allein mit Zettel und Mikrofon, mal laut und buchstäblich trompetend, mal leicht rappend, witzig oder versonnen. Da gab es viel zu lachen – und auch viel zu schlucken, wenn es um die ernsten Themen ging: um Depressionen, Genitalverstümmelung oder Rechtsruck und Hassbotschaften im Netz. „Ich bin müde“, titelte die Bremerin Eva Matz ihren Beitrag im Finale über nach unten tretende Füße, die im Takt der Vergangenheit marschieren, während „unsere“ bald rennen müssen. So endete der Text: „Lasst uns wachsen und laut sein, denn geschlafen haben wir lange genug.“

Fünfer-Jury aus dem Publikum

Wer ins Finale kam, darüber entschied auch im Kulturhaus eine zufällig ausgewählte Fünfer-Jury im Publikum, die zwar verdient hohe Wertungen vergab, aber es natürlich schwer hatte, Beiträge zu vergleichen. William Laing aus Lüneburg, frischgekürter Meister für Niedersachsen und Bremen, hatte beispielsweise wie Matz einen Text über das Schlafen, einen witzigen mit der Kernaussage, er würde gern mehr schlafen. Nicht wie Giraffen, die auf keine zwei Stunden täglich kommen würden. „Da hätte ich auch so einen Hals“, sagte Laing. Schlimmer sei nur New York: die Stadt, die niemals schläft.

Mit ernsteren Themen ins Finale

In der Bremerin Eva Matz und Theresa Sperling aus Nordhorn, über die eine Besucherin verständlicherweise bemerkte, Sperlings Texte seien so gut, dass sie jetzt unbedingt ein Buch von der Autorin kaufen müsste, sammelten in den beiden Vorrunden zwei Vertreterinnen mit den ernsteren Themen die meisten Jurypunkte. Beide durften im Finale noch mal ran, teilten sich dann nach der Entscheidung über die Applausstärke einen Schoko-Pokal als gemeinsame Siegerinnen des Abends. Letztlich keine wichtige Entscheidung. Rosen und Beifall bekamen am Ende alle – die Gewinnerinnen, Laing, Suse Bock-Springer aus Kassel und August Klar aus Paderborn. Und wohl keiner im Publikum wäre traurig, den einen oder anderen beim nächsten Poetry-Slam-Abend in Ganderkesee wiederzusehen. Der findet am 18. Mai im Kulturhaus statt.