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Erntedank in Ganderkesee „Wir danken, dass wir überhaupt eine Ernte haben“

Von Bettina Dogs-Prößler | 05.10.2018, 17:38 Uhr

Modernste Maschinen und Hochzuchtsaaten helfen auch in Ganderkesee nicht, wenn das Wetter nicht mitspielt. Das Erntedankfest am 7. Oktober ist Anlass, sich zu besinnen, dass nicht alles selbstverständlich ist.

Dieser Sommer wird den Landwirten noch lange in Erinnerung bleiben. Die Ernteeinbußen sind zum Teil enorm – je nach Standort müssen die Bauern beim Mais bis zu 70 Prozent Verlust hinnehmen. „Beim Gras war vielerorts nach dem ersten Schnitt bei den meisten Schluss“, schildert Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Ortslandvolks Ganderkesee. Hier haben die Bauern teilweise bis zu 50 Prozent weniger eingefahren.

Erntedank am ersten Sonntag im Oktober

In Deutschland wird traditionell am ersten Sonntag im Oktober Erntedank gefeiert. Ein Fest, mit dem Gläubige im Christentum Gott für die Gaben der Ernte danken. Doch nach diesem für die Bauern so extremen Sommer ist nicht viel von der Ernte übrig geblieben. „Umso wichtiger ist dieses Fest“, meint Landwirt Onno Osterloh aus Ganderkesee. „Hätten wir den Weltmarkt nicht, würden nach diesem Sommer die Regale leer bleiben.“

Dabei haben die Landwirte in der Gemeinde Ganderkesee noch Glück. Wegen der unterschiedlichen Böden stehen die Bauern laut Wübbenhorst sogar noch vergleichsweise gut dar. Aber dennoch: „Wenn wir hier auch keine Verhältnisse wie in anderen Bundesländern haben, auch hier wird es für uns teuer. „In diesem Jahr können wir danken, dass wir überhaupt eine Ernte haben. Die Natur hat gezeigt, wie ernst es werden kann“, sagt Wübbenhorst

Globaler Markt federt Missernten ab

Ernste Auswirkungen, von denen der Verbraucher allerdings wohl unberührt bleiben wird: „Sie können froh sein, dass wir Europa und den globalen Markt haben“, ist Wübbenhorst überzeugt. Um die Wertschätzung der Ernte und damit der Lebensmittel wird es deshalb auch in der Erntedank-Predigt von Irene Schlawin, am Sonntag, 7. Oktober 2018, ab 10 Uhr in der St.-Cyprian-und-Cornelius-Kirche, gehen.

Auch Gras auf dem Altar

Dann wird neben den typischen Erntedank-Gaben Brot, Kartoffeln und Obst auch Gras auf dem Altar liegen. „Für das Vieh ist Gras lebensnotwendig. Aber was ist, wenn es nicht mehr da ist?“, fragt die Theologin. Heute sei es für jeden selbstverständlich, dass Lebensmittel im Übermaß vorhanden seien. „Noch dazu werden unsere Vorstellungen davon bestimmt, immer bessere Effizienzzahlen zu erreichen.“ Das Erntedankfest sei in diesem Jahr ein guter Anlass, das eigene Handeln zu überdenken und Lebensmittel wieder mehr wertzuschätzen. Landwirt Osterloh jedenfalls geht geerdeter aus diesem Sommer. „Er hat uns gezeigt, dass man mit allem Können und Schaffen nichts erreichen kann, wenn die Natur nicht mitspielt.“

Nach den Gottesdiensten zum Erntedank steht bei den Landwirten ein weiterer Termin im Kalender: Am 3. November wird im Gasthaus Sievers in Kühlingen der Ernteball gefeiert.