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Erntefeier bei Sievers Landvolk Ganderkesee blickt auf durchwachsene Ernte

Von Michael Korn | 05.11.2017, 19:58 Uhr

Das teils turbulente Wetter hat den Ganderkeseer Landwirten einiges abverlangt. Ebenso wie unsachliche Kritik, hieß es beim Ernteball bei Sievers.

Der Landvolkverband Ganderkesee hat bei seinem Erntefest am Samstag bei Sievers in Kühlingen eine durchwachsene Ertragsbilanz gezogen und sich gegen unsachliche Kritik an der regionalen Landwirtschaft gewehrt. Onno Osterloh, stellvertretender Vorsitzender, bekräftigte vor ausverkauftem Saal und zahlreichen Ehrengästen mit der Bundestagsabgeordneten Astrid Grotelüschen (CDU) und dem stellvertretenden Bürgermeister Günther Westermann an der Spitze, dass der Verband alles tun werde, um denjenigen Landwirten zu helfen, die unter der Last der starken Kritik zusammenbrechen.

Geld fürs Sorgentelefon

So spendete das Landvolk 500 Euro für das landwirtschaftliche Sorgentelefon, dessen Leiterin Anne Dierksen von der Landwirtschaftskammer Oldenburg, den symbolischen Scheck dankbar entgegennahm. Osterloh fügte hinzu, dass Kinder der Landwirte sich in der Schule häufig beim Thema Landwirtschaft rechtfertigen müssten. Er bemängelte, dass Angebote für Betriebsbesichtigungen oder Aufklärungsunterricht in der Schule oftmals ignoriert würden. Als Konsequenz aus dieser Erfahrung sei der landwirtschaftliche Wettbewerb mit Preisen für Schulklassen ins Leben gerufen worden. Dieses Projekt will das Landvolk ebenfalls weiter finanziell unterstützen, weil es sich großer Resonanz der Schulen erfreue. In diesem Zusammenhang dankte Osterloh Thale Alfs vom Landvolkverband Oldenburg und Heike Hohnholt von den Kreislandfrauen für die Unterstützung und das Mitwirken.

Höchsterträge im Juni

Gerd Hanken, Aufsichtsrat des Raiffeisen Viehverbands, resümierte das abgelaufene Erntejahr mit vielen Aufs und Abs bei der Wetterlage und entsprechenden Folgen für die Landwirte: „Wir sind nunmal den Launen des Wetters ausgesetzt und müssen mit unserem Wissen und unserer Erfahrung das Beste daraus machen.“ Die wichtigsten regionalen Feldfrüchte seien Getreide, Gras, Mais, Raps, Kartoffeln und vereinzelt Zuckerrüben. Hanken berichtete von teils zu kühlen Bedingungen im März/April und einem niederschlagsarmen Mai - schlecht fürs Wintergetreide und fürs Grünland. Nachfröste setzten dem Raps zu und der Weizen litt unter Blattkrankheiten. Für die Bestellung der Sommerfrüchte Kartoffeln, Zuckerrüben und Mais seien die Voraussetzungen indes sehr gut gewesen. Der ersehnte Regen im Juni habe dann Höchsterträge gebracht. Die sich jedoch im Juli und August fortsetzenden Niederschläge, so dass die Erträge häufig schlecht ausfielen. Dafür holte der Grünland-Ertrag auf und auch Mais stand auf Sand, Lehm und Moor hervorragend. Die beiden Oktoberstürme hätten die Maisernte auch aufgrund der schlecht befahrbaren Böden zum Geduldsspiel mit erheblich höheren Kosten gemacht. Auch die Kartoffelernte laufe schleppend.

Milchpreise erholt

Zur Preisentwicklung für landwirtschaftliche Produkte bekräftigte Hanken, dass „die Preise nichts mit unseren Erträgen zu tun haben - wir haben Weltmarkt“. Die Landwirtschaft der Region erwirtschafte ihren Gewinn von der Veredelung sowie der Milchwirtschaft. Schweinepreise und Milchpreise hätten sich so erholt, „dass wir wieder ruhig schlafen können“.

Für mehr Wertschätzung

Bundestagsabgeordnete Grotelüschen ging ebenfalls auf die schwierigen klimatischen Bedingungen ein, die teilweise Einbußen ausgelöst hätten. Der Rückgang von drei Prozent beim Getreide auf noch sechs Millionen Tonnen und sogar 15 Prozent beim Raps würden durch Ertragssteigerungen von zwölf Prozent bei Kartoffeln und eine gute Maisernte einigermaßen ausgeglichen. Grotelüschen hob ausdrücklich Engagement, Fleiß und Investitionsbereitschaft der Landwirtsfamilien hervor. Sie verteidigte die moderne Agrarwirtschaft vor Anfeindungen und eine undifferenzierte Debatte über vermeintliche Gefährdungen. Die Landwirtschaft stelle sich den Themen Nitratbelastung, Tierwohl oder Nachhaltigkeit der Produktion – nicht aufgrund von äußerer Kritik, sondern wegen des Berufsethos und der Verantwortung gegenüber Mensch, Tier und Natur. Ihr sei es ein „Herzensanliegen“, für mehr Wertschätzung der Landwirtschaft zu werben.