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Erzählung über die Reformationszeit Huder Abt erregte Unmut auf der Delmenhorster Burg

Von Dirk Hamm | 27.05.2017, 13:31 Uhr

Die religiösen Verwerfungen der Reformationszeit haben auch vor dem Kloster Hude nicht haltgemacht. Nach einer Zeit des Niedergangs wurde das Zisterzienserkloster schließlich 1536 aufgelöst.

Eine zentrale Rolle in dieser Endphase fiel dem letzten Abt zu, Liborius Lippeken. Der Spross eines oldenburgischen Adelsgeschlechts steht im Mittelpunkt einer plattdeutschen Erzählung, die der Heimatforscher Hartwig Ohlenbusch jetzt vorgelegt hat.

Ohlenbuschs dritte plattdeutsche Erzählung

„‚De nee bremsche Ungloben‘. Globensstriet in de Tiet van de Reformatschoon“ lautet der Titel des 108 Seiten umfassenden Werks, das im Isensee Verlag erschienen und zum Preis von 14,50 Euro im Buchhandel erhältlich ist. Es ist die inzwischen dritte in Plattdeutsch verfasste Erzählung des 78-Jährigen nach den Büchern „Mit Hexenglocken, Kraasch un Tovertroon“ und „Den Grootherzog sien lesten Hirsch“. „Die Heimatgeschichte hat mich schon immer interessiert“, sagt der agile Ruheständler aus Neuenburg in Ostfriesland, der früher als Diplom-Ingenieur im Küstenschutz gearbeitet hat.

Idee entstand bei Führung im Klosterbezirk

Auf den Stoff für sein neuestes Buch ist Ohlenbusch vor drei Jahren bei einer Führung im Klosterbezirk gestoßen: „Besonders neugierig machte mich, wie und aus welchen Gründen es mit dem Kloster zu Ende ging.“ Er begann zu recherchieren, vor allem im Niedersächsischen Landesarchiv in Oldenburg sichtete er Chroniken, Urkunden und Zeugenaussagen. So ist bei aller künstlerischen Freiheit, die sich der Autor nahm, ein historisch fundiertes Zeitbild der Reformationszeit in der Region zwischen Weser und Hunte entstanden.

Letzter Abt übernahm Luthers Glaubenslehre

Der letzte Huder Abt war unter dem Eindruck des Studiums von Luthers Schriften in den 1520er Jahren zur neuen Lehre übergetreten. Von Bremen aus sickerte diese Glaubenslehre in die zu der Zeit zum Herrschaftsbereich des Fürstbischofs von Münster gehörende Grafschaft Delmenhorst ein. Lippeken hielt sich oft in Bremen in der dortigen Niederlassung seines Klosters, im Huder Hof, auf, weiß Ohlenbusch aus seinen Nachforschungen. In der Hansestadt machte ein Schüler Luthers, Heinrich von Zütphen, mit seinen Predigten großen Eindruck.

Spannungen im KlosterHude

Der Abt begann, selbst für die neue Glaubenslehre zu werben, was zu Spannungen hinter den Klostermauern in Hude führte. Zwei Fraktionen standen sich bald gegenüber. Die Aktivitäten Lippekens waren auch den Amtsleuten auf der Burg Delmenhorst mit dem Drost an der Spitze ein Dorn im Auge, erklärt der Buchautor.

Am Ende nur noch zehn Mönche

Das hatte auch wirtschaftliche Gründe: „Das Kloster hatte große Eigenbetriebe und war sehr vermögend.“ Dabei lebten am Ende nur noch zehn Mönche in Hude, und die nicht benötigten Überschüsse wurden ausgerechnet an das lutherische Bremen gegen Zinsen verliehen. Dass die Verhältnisse im Kloster mehr als anrüchig waren – von Kindern mit Konkubinen ist die Rede –, tat ein Übriges. Allzu viel möchte der Autor darüber hinaus nicht verraten, nur so viel noch: Vom Fürstbischof erhielt der Drost freie Hand für einen Überfall auf das Kloster, und das Unheil nahm seinen Lauf.