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Erziehungsberater“ lästert“ in Ganderkesee über Pubertierende Kabarettistischer Vortrag

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 22.09.2016, 20:47 Uhr

Eher Kabarett als Fachvortrag: Der Erziehungsberater Jan-Uwe Rogge referierte am Mittwochabend in der Aula des Gymnasiums Ganderkesee über das Thema „Pubertät“ und hielt sich dabei mit Ratschlägen zurück.

Glück gehabt!“, mag sich manch Zuhörer am Ende gedacht haben. Denn „fertiggemacht“, wie angedroht, hatte Referent Jan-Uwe Rogge sein Publikum dann doch nicht. Ein wenig einstecken mussten die gut 100 Gäste in der Aula des Gymnasiums gleichwohl, als sie den Ausführungen des prominenten Autors und Erziehungsberaters aus Stade zum Thema „Pubertät“ lauschten. Die regioVHS hatte ihn eingeladen.

„So sehen Eltern Pubertierender aus: fertig, nicht mehr ganz jung“, stellte Rogge etwa eingangs mit Blick ins Auditorium fest. Dort saßen an diesem Donnerstagabend vorrangig Frauen, offensichtlich mehrheitlich Mütter jugendlicher Kinder.

„Großartige Ratschläge“ gibt es nicht

Geradezu schroff einerseits und erfrischend ehrlich andererseits machte ihnen Rogge im Stile eines Kabarettisten schnell klar, was sie keinesfalls von ihm erwarten dürften, egal wie viel sie mitschrieben: großartige Ratschläge für die Erziehung ihrer pubertierenden Kinder. Es handele sich bei der Erziehung ohnehin um einen ergebnisoffenen Prozess. Der Referent und Entertainer in Personalunion zäumte das Pferd entsprechend von hinten auf. Er erklärte, was Mütter und Väter tunlichst vermeiden sollten.

„Klare Positionen beziehen“

Allzu belehrendes Auftreten etwa, zumal solches in Verbund mit vielen Worten. Pubertierende, so Rogge, liebten auch deswegen oftmals alte Menschen wie ihre Großeltern, weil diese „gelebtes Leben“ darstellten, die Eltern dagegen allenfalls „gelabertes Leben“. Gleichwohl finde er es wichtig, dass Vater und Mutter klare Positionen gegenüber den jugendlichen Kindern vertreten und es dabei durchaus auch auf Kontroversen ankommen zu lassen: „Erziehung hat nichts zu tun mit Punkte sammeln fürs Paradies.“ Erwachsene, die keine Grenzen setzten, bekämen bald allenfalls die Verachtung ihrer Kinder zu spüren. Aus diesem Grund rate er auch von der „Kumpelnummer“ ab, mit welcher sich gerade der eine oder andere Mann mittleren Alters Teenagern anbiedere.

Erziehung, so Rogge weiter, habe allerdings auch nichts mit „Ziehen“ zu tun

. „Bekifft und besoffen“

Es komme vielmehr, zumal bei Pubertierenden, darauf an, diese zu begleiten und zu Ihnen zu stehen – auch dann, wenn sie morgens um fünf, „bekifft, besoffen und vollgekotzt“ von der Polizei nach Hause gebracht würden. In solche einem Fall erledige seine Elternpflicht am besten, wer sich herzlich bei dem Polizisten bedanke, ihm vielleicht noch einen Pfefferminztee zum Aufwärmen koche und ihm versichere, dass das Kind noch ganz anders ausgesehen habe, als es aus dem Haus gegangen sei.

Doch auch ohne die Polizei hätten die Eltern Pubertierender allerhand zu ertragen, führte Rogge immer wieder genüsslich aus: Den Gestank der Jugendlichen etwa, der gerade von den Jungen ausgehe, die ihr Testosteron liebten und daher gern „abstänken“. Aus dieser Beobachtung leitete der Referent denn auch einen der wenigen handfesten Tipps des Abends für die Eltern ab: „Seid doch froh, wenn Eure Pubertierenden in der Schule sind – und lüftet in der Zeit!“