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Eskalation beim Fahrradkauf Streit um neun Euro landet vor Wildeshauser Amtsgericht

Von Kristina Müller | 19.09.2017, 19:26 Uhr

Aus einer Anklage wegen versuchten Raubes wurde beim Amtsgericht Wildeshausen jetzt ein Urteil wegen Nötigung. Der Grund: Ein Streit um ein Kinderfahrrad.

So schnell können aus neun plötzlich 800 Euro werden: Weil er die restlichen neun Euro für ein Fahrrad für seine Tochter nicht bezahlen konnte und daraufhin ein Streit mit dem Verkäufer eskalierte, ist ein 26-jähriger Delmenhorster vom Amtsgericht Wildeshausen wegen Nötigung in Tateinheit mit Körperverletzung zu einer Strafe von 800 Euro verurteilt worden.

Ursprünglich angeklagt war er gemeinsam mit seinem 30-jährigen Bruder, einem Bookholzberger, wegen versuchten Raubes: Im August vergangenen Jahres wollte er bei einem Fahrradhändler in Ahlhorn ein Fahrrad für seine Tochter kaufen. Den Kaufpreis von 234 Euro wollte er zunächst mit seiner Bankkarte zahlen. Als das nicht funktionierte, wollte er bar zahlen, hatte laut eigenen Angaben aber nur 225 Euro dabei. Die restlichen neun Euro versuchte er dann erneut per Bankkarte zu bezahlen, was ebenfalls fehlschlug.

Situation eskaliert

Laut den beiden Angeklagten sind diese neun Euro allerdings erst im Nachhinein von dem Verkäufer als „Importsteuer“ erhoben worden. An eine derartige Zusatzgebühr erinnert sich einer der Zeugen nach eigenen Aussagen ebenfalls. Der Verkäufer hingegen besteht darauf, dass der Preis von 234 Euro entsprechend ausgezeichnet war.

Als der Kunde seine bereits bezahlten 225 Euro zurückforderte, soll der Verkäufer das aber abgelehnt haben. Die Situation eskalierte, woraufhin der Delmenhorster das Fahrrad ergriff und nach draußen bringen wollte. Der Verkäufer allerdings hinderte ihn daran und hielt am Fahrrad fest. Daraufhin schubste der Angeklagte den Verkäufer, sodass dieser gegen seine Auslage prallte und anschließend auf den Boden fiel. Das Schubsen stritt der Angeklagte jedoch ab – der Verkäufer sei auf unbekannte Weise gestürzt. Wie ein Zeuge berichtete, hatte sich Situation anschließend wieder beruhigt.

Verfahren für einen der beiden Angeklagten eingestellt

Den Vorschlag der Verteidiger, das Verfahren für beide Angeklagten einzustellen, lehnte der Staatsanwalt ab. Weil sich aber der Bruder sehr zurückhielt, ließ sich der Staatsanwalt bei ihm auf eine Einstellung gegen 300 Euro als Schmerzensgeld für den Verkäufer und wegen der Sachbeschädigung ein. Für den 26-Jährigen hingegen ist jetzt eine Strafe von 800 Euro fällig, allerdings nicht mehr wegen versuchten Raubes, weil er den Laden mit dem Fahrrad nach der Eskalation nicht mehr verlassen hatte, obwohl er es gekonnt hätte.

Zu seinen Gunsten ausgelegt hatte das Gericht, dass er teilweise geständig war und nicht vorbestraft ist. „Sie hatten auch selbst ein Interesse daran, dass die Situation von der Polizei aufgeklärt wird“, sagte die Vorsitzende Richterin. Außerdem sei es nur um neun Euro gegangen.