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Familie gegen Windpark-Erweiterung Leben im Schatten der Windräder in Ganderkesee-Almsloh

Von Katja Butschbach | 10.03.2015, 20:29 Uhr

Wohnen in der Nähe von Windenergieanlagen: Welche Probleme das mit sich bringt, berichten Bürger aus Ortsvereine stemmen sich gegen eine Erweiterung des Windparks Grüppenbühren.

„Der Schattenwurf ist jetzt schon störend in Küche, Wohnzimmer, Bad und Kinderzimmer“, sagt Jana Jelken. Die 26-Jährige lebt mit drei Generationen in einem Haus an der Straße Im Langeland, das 500 Meter von der nächsten Windenergieanlage entfernt ist. Auf dem Sofa könne man wegen des Schattenwurfs der rotierenden Windrad-Flügel nicht fernsehen, „ohne dass man wahnsinnig wird“.

„Rollläden herunterlassen, damit man es aushalten kann“

„Man muss die Rollläden herunterlassen, damit man es aushalten kann“, sagt Jelken. „Aus dem Fenster haben wir freien Ausblick auf fünf Mühlen.“ Nachbar Reinhard Siemer sagt: „Es ist immer was in Bewegung.“ Der Vorsitzende des Heimat- und Ortsvereins Elmeloh-Alms-loh macht sich mit dem Ortsverein Schierbrok-Stenum gegen eine Erweiterung des Windparks Grüppenbühren stark.

Ortsvereine verteilen Infomaterial an Ratsmitglieder

Nach einer Bürgerbeteiligung im Rathaus , bei der an den Plänen der Projektierungsgesellschaft massive Kritik geäußert worden war, haben Siemer und Dr. Lothar Meyer (Ortsverein Schierbrok-Stenum) Unterlagen zu ihrem kritischen Vortrag an die Ratsmitglieder verteilt.

Anwohner lehnen Ausbau entschieden ab

Die Befürchtungen der Anwohner sind groß. Auch Dieter Jelken (58), Hilde Geerken (83) und André Jelken (35), mit denen Jana Jelken lebt, üben Kritik. Der Schattenwurf dringe selbst durchs Schlüsselloch und sei im Büro dann sehr sichtbar und störend. „Ich dachte, ich kann nicht richtig gucken“, sagt Hilde Geerken. Jana Jelken fürchtet beim Reiten und Spazierengehen zudem Eisschlag von den Windenergieanlagen. Die Wertminderung der Häuser beklagt Geerken.

Einen Ausbau des Windparks lehnen die Anwohner entschieden ab: Angedacht ist zunächst eine neue Windenergieanlage mit 200 Metern Höhe – die jetzigen sind halb so hoch – und später eventuell ein Repowering, bei dem die sechs alten 100 Meter hohen Anlagen durch drei 200 Meter hohe Anlagen ersetzt werden sollen.

Zu geringe Abstände zu Wohnhäusern kritisiert

Meyer kritisiert zu geringe Abstände von Windrädern zu Wohnhäusern in Niedersachsen: Es gilt die Regelung, dass der Abstand bei der doppelten Höhe der Anlagen liegen soll. Wird also ein 200-Meter-Windrad gebaut, beträgt der Mindestabstand 400 Meter. Die Jelkens und Geerken wären 410 Meter entfernt, wenn es beim aktuell geplanten Standort bleibt. In Bayern müsste die Entfernung bei diesem Szenario dagegen mindestens zwei Kilometer betragen – also das Zehnfache der Höhe.

Warnung vor Infraschall

Auch Geräuschbelästigung ist für Meyer ein wichtiges Thema. Insbesondere warnt er vor Infraschall: Der Körper nehme den Infraschall wahr, und eine kleine Dosis über eine lange Zeit habe eine große Wirkung.

Durch aktuelle Entwicklungen sieht er sich bestätigt: In Dänemark etwa gibt es, wie die Welt am Sonntag Anfang März berichtete, ein faktisches Ausbaumoratorium zur Windenergie, da die gesundheitlichen Auswirkungen durch Infraschall nicht geklärt sind.

Genug freie Flächen in Niedersachsen

Für Siemer gibt es darüber hinaus genug freie Flächen in Niedersachsen, auf denen sich Windenergieanlagen unterbringen lassen, so dass nicht nahe Wohnhäusern gebaut werden müsse.

Nun muss am 13. Mai die Politik entscheiden . Dann tagt der Gemeindeentwicklungsausschuss.