Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Oldenburger Hof Familienfeiern und Faschingspartys im Herzen von Ganderkesee

Von Birgit Stamerjohanns | 04.02.2019, 21:17 Uhr

Der Oldenburger Hof ist früher ein Viehhandel mit Ausspann mit Ausschank gewesen. Für Tiere ist heute kein Platz mehr an der Wittekindstraße, dafür aber bewirten Olaf Stolle und seine Mitarbeiter Gesellschaften und Übernachtungsgäste.

Am Stammtisch, das weiß jeder Kneipengänger, wird es gern philosophisch. Im Oldenburger Hof gibt es gleich eine ganze Wand direkt neben dem Stammtisch, auf der es vieles zu lesen und einiges zum Nachdenken gibt. Zum Beispiel: „Ehre die Alten, verspotte sie nie. Sie waren wie du, du wirst wie sie.“ Der Spruch hängt, auf einen Zettel gedruckt, unter einem alten Bild, das den Oldenburger Hof zeigt.

Olaf Stolle schätzt, dass es aus den 1920er Jahren stammt, als sein Betrieb noch eine Viehhandlung mit angeschlossenem Ausspann war. Auf der schwarz-weiß-Aufnahme ist nicht nur das prächtige Gebäude zu sehen, sondern Kutschen, Pferde, Menschen. „Gruß aus Ganderkesee“ steht auch noch auf dem Bild. „Zum Zeitpunkt der Aufnahme hat das Haus noch nicht meiner Familie gehört“, so der Gastwirt, „mein Opa hat den Oldenburger Hof im Jahr 1935 von der Bank gekauft.“

Dann kam der Krieg und mit ihm die Bomben – das Haus im Herzen Ganderkesees wurde komplett zerstört. Olaf Stolles Großmutter hat das Gebäude wieder aufgebaut, während der Großvater im Krieg war. „Meine Oma hat noch während des Krieges wieder einen Ausschank betrieben“, sagt der 49-Jährige. Heute ist der Oldenburger Hof eine feste Adresse in Ganderkesee und Umgebung.

Runde Geburtstage, Hochzeiten und Trauerfeiern

Familienfeiern, darin ist Stolle Spezialist – runde Geburtstage, Hochzeiten und schätzungsweise 50 Trauerfeiern im Jahr. Nicht nur essen und feiern kann man an der Wittekindstraße, sondern auch übernachten. Unter der Woche bewohnen häufig Monteure und Vertreter die 18 Zimmer, am Wochenende ist es meistens ruhiger. Manchmal kommen Urlauber oder auswärtige Gäste einer Feier.

Olaf Stolle hat den Betrieb 2007 von seinem Vater übernommen. „Als Kinder hat man vielleicht noch andere Träume“, sagt er auf die Frage, ob dieser Wunsch schon immer feststand. Aber irgendwie kam es dann doch zu einem Praktikum bei Lüschens Bauerndiele in Stenum, wo er sich „wohl nicht ganz doof angestellt“ habe. Es folgte ein Ausbildungsvertrag, Stolle lernte Koch. Heute leitet er das Familienunternehmen, seine Mutter arbeitet noch im Gasthof mit.

Ausdauer in der Gastronomie

„Meine Eltern haben mir einen guten Betrieb übergeben, trotzdem hat Gastronomie viel mit Ausdauer zu tun“, sagt der Ganderkeseer. Wenn man selbstständig ist, arbeitet man eben selbst und ständig, und das vor allem zu Zeiten, zu denen andere frei haben.

Der Oldenburger Hof ist täglich geöffnet, und bis auf samstags bieten Stolle und seine Mitarbeiter einen Mittagstisch an. Solide deutsche Küche, Rouladen, Bauernfrühstück, Rotbarsch. „Das läuft tatsächlich immer besser“ freut sich der Gastronom. Abends gibt es à la carte und an den Wochenenden momentan Kohlpartys – „komplett ausgebucht“, so Olaf Stolle.

Der jährliche Höhepunkt ist närrisch

Der jährliche Höhepunkt steht 2019 am ersten Märzwochenende an: Fasching. Wenn um die 20 000 Leute in den Ortskern kommen, ist im Oldenburger Hof Dauerparty. Ein Zimmer ist bei Stolles dann auch nicht mehr zu bekommen – die Faschingsgäste buchen ihre Übernachtung schon immer bei Abreise für das nächste Jahr. „Seit Jahrzehnten kommt eine Gruppe aus Hamburg, die ursprünglich eine Kohlfahrt in der Gegend gemacht hat, ausgerechnet am Faschingswochenende“, erzählt Olaf Stolle. Diese Gruppe fand so einen Gefallen am Fasching, dass sie nun in jedem Jahr zum Mitfeiern anreist.

Ob der Spruch mit dem Ehren der Alten an Stolles Stammtisch-Wand allerdings auch im beruflichen Sinne zutrifft, das steht bei Familie Stolle in den Sternen. Es kann gut sein, dass seine Jungs nicht so werden wie er. Zwei Söhne hat er, der eine macht eine Banklehre. Der andere geht noch zur Schule. „Ich würde mich freuen, wenn der sich für den Betrieb entscheiden würde, aber aus freien Stücken, ich würde ihn niemals drängen.“ Ein bisschen Zeit ist ja noch, und bis dahin freut sich Stolle über seine Gastwirtschaft, die gut läuft – und auf die anstehende Faschingszeit.