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Fasching 2016 in Ganderkesee Zahl der Zwischenfälle nicht außergewöhnlich hoch

Von Thomas Breuer | 07.02.2016, 19:12 Uhr

40.000 Menschen sollen es Schätzungen der Gemeinschaft Ganderkeseer Vereine (GGV) zufolge gewesen sein, die sich rund um den großen Faschingsumzug in Ganderkesee auf den Straßen, im Festzelt und in den Lokalen amüsiert haben. Die Polizei sprach in einer ersten Bilanz am frühen Sonntagnachmittag von 28 Straftaten. Die Rettungskräfte waren 77 Mal gefordert. Für eine Veranstaltung dieser Größenordnung stuften die Verantwortlichen diese Zahlen als nicht außergewöhnlich hoch ein.

Nach den Spekulationen im Vorfeld, ob insbesondere das Ausmaß sexueller Übergriffe zur Silvesternacht in Köln und anderen Großstädten auf Ganderkesee überschwappen könnte, sagte Polizeioberrat Markus Voth als Gesamteinsatzleiter, dies sei in keiner Weise der Fall gewesen. Lediglich zwei der zu Protokoll genommenen Anzeigen hätten den Straftatbestand der Beleidigung auf sexueller Grundlage erfüllt. Im Klartext: Zwei Frauen haben sich an die Polizei gewandt, weil ihnen an die Brust gefasst wurde. 15 Mal ermitteln die Beamten wegen Körperverletzung, zweimal wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Insgesamt war das Aufgebot der Polizei höher als im vergangenen Jahr, weil verstärkt um Kräfte der Bereitschaftspolizei aus Oldenburg. Genaue Zahlen wurden nicht genannt.

Taschendieb auf frischer Tat ertappt

Ein Taschendieb konnte mit seiner Beute gefasst werden, nachdem er zum dritten Mal zugeschlagen hatte. Vier Polizisten haben laut Voth leichte Verletzungen davongetragen, eine Kollegin sei am Sonntag noch nicht wieder dienstfähig gewesen. Zwei Anzeigen resultieren aus dem Abbrennen sogenannter Polenböller im Umfeld des Famila-Getränkemarktes. Diese Verstöße gegen das Sprengstoffgesetz haben die Einsatzkräfte besonders aufgeschreckt, da es derartige Vorfälle beim Fasching um den Ring früherer Jahre noch nicht gegeben hatte. Die Taten erfolgten laut Schilderung der Verantwortlichen in einem Umfeld, das parallel zum Umzug gefeiert habe, ohne sich besonders für den Umzug zu interessieren.

Drei leichte Verbrennungen nach Böllerwürfen behandelt

77 Patienten hatten die Rettungskräfte laut Michael Pleus und Andreas Strodthoff vom Deutschen Roten Kreuz zu versorgen, darunter auch drei mit leichten Verbrennungen durch die Böller. In einem Fall seien diese auch in unmittelbarer Nähe von Sanitätern gezündet worden. Der Schwerpunkt der Hilfeleistungen lag zwischen 14.30 und 19 Uhr. Danach reduzierte das Rote Kreuz die Zahl der Helfer allmählich von 90 auf 50. „Nach Mitternacht war es sehr ruhig“, konstatierten die Retter. Die Hälfte ihrer Patienten hatten sie wegen übermäßigen Alkoholgenusses zu versorgen, die andere Hälfte, weil sie gestürzt war oder sich Verletzungen durch Glassplitter zugezogen hatte. Erster Ansprechpartner für Verletzte war am Samstag auch das an der Strecke positionierte Technische Hilfswerk (THW), das 65 Personen aufgeboten hatte.

Scherbenteppiche erneut ein Problem

Trotz 82 aufgestellter Tonnen für Glas waren die achtlos weggeworfenen Flaschen erneut ein großes Problem. Erst gegen 19.15 Uhr konnte die Sperrung des Ortskerns wieder aufgehoben werden, nachdem diverse Scherbenteppiche beseitigt waren. Ein Teilstück der Urneburger Straße in Höhe der Rettungswache musste noch eine Stunde länger gesperrt bleiben.

Der Einlass in das Festzelt musste am Samstag gegen 17 Uhr vorübergehend gestoppt werden, nachdem eine Person dort Pfefferspray versprüht hatte. Auch in diesem Fall ist eine Anzeige wegen Körperverletzung erfolgt.

Feierabend im Festzelt um vier Uhr eingeläutet

Gefeiert wurde bis vier Uhr morgens am Sonntag. Nach und nach baten die Verantwortlichen die letzten 120 Unentwegten aus dem für 6000 Personen ausgelegten Festzelt.

Nachdem manche Beobachter am Samstag von mutmaßlich nur um die 30.000 Gäste am Umzugstag gesprochen hatte, legte sich die GGV am Sonntag fest: 40.000 sei ersten Schätzungen zufolge eine realistische Zahl. Allerdings hätten sich diese entlang der Strecke teilweise anders verteilt als noch 2015.

Flüchtlinge hatten sich auch in die Reihen der Feiernden eingereiht, ohne in relevanter Hinsicht aufzufallen. Die Flüchtlingsunterkünfte sind laut Polizei vom Faschingstreiben unberührt geblieben.