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FDP jubelt Wahl in Ganderkesee: Merkel-Effekt erwischt Volksparteien

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 12.09.2016, 03:25 Uhr

Vor Ort rechnen die Wähler mit der Bundespolitik ab: Das schwächt SPD und CDU. Die FDP hingegen bricht in Jubel aus.

Verluste für die beiden großen Volksparteien, eine ganz herbe Enttäuschung für die Grünen und ein strahlender Sieger – die wieder erstarkte FDP. So zeigte sich der Wählerwillen am Wahlabend in Ganderkesee. Auch die Freien Wähler haben ein gutes Ergebnis eingefahren und erstmals hat eine Kandidatin der Linken den Sprung in den Rat geschafft.

Groko verhagelt Bilanz

Je nach politischer Couleur jubelten, klatschten, raunten oder wisperten die Gäste des Wahlabends im Rathaus, wenn die jeweils aktuellsten Ergebnisse vermeldet wurden.

Für SPD und CDU ist klar, dass die Große Koalition im Bund den beiden lokalen Rivalen die Bilanz verhagelt hat. Doch der Denkzettel für SPD und CDU entfällt weniger krass als zunächst befürchtet.

Sowohl der SPD-Fraktionsvorsitzende Werner Brakmann, als auch die CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Cindy Klüner haben das am Wahlabend klar eingeräumt.

Bundestrend war entscheidend

Schuld sei der Bundestrend, nicht die Sacharbeit vor Ort, hieß es unisono. Von diesem „Merkel-Effekt“ und Frust über die Koalition im Bund konnten die Grünen allerdings nicht profitieren.

„Vor fünf Jahren haben wir über den Fukushima-Effekt nach der Atomkraftwerkskatastrophe in Japan einen ordentlichen Auftrieb erhalten“, blickte Fraktionschef Michael Sorg zurück. Dieser sei nun abgebrochen, versuchte er einen vorläufigen Erklärungsversuch für den herben Verlust von fast fünf Prozent.

Hier finden Sie das ausführliche Wahlergebnis aus Ganderkesee

FDP strahlender Sieger

Als strahlender Sieger können sich die FDP, aber auch die Freien Wähler sehen. „Es wird ein großartiger Abend“, hatte die örtliche Liberalen-Fraktionschefin Marion Daniel schon früh am Abend mit Blick auf die eintrudelnden Kreistagsergebnisse vermutet. Später schlug die Hoffnung in Gewissheit um. Jubelschreie begleiteten die Bekanntgabe des zweistelligen Wahlergebnisses, mit dem die Liberalen nach fünfjähriger Durststrecke wieder an alte Erfolge anknüpfen konnten.

Freie Wähler zufrieden

Ungläubig starrte so mancher Parteifreund abwechselnd auf seine Handy-App und verglich sie mit dem mit einem Beamer auf die Rathausleinwand geworfenen Resultat. Vier Sitze werden die Liberalen nun im Rat einnehmen. Äußerst zufrieden gab sich auch Arnold Hansen. Seine Freien Wähler hatten die Trennung von der UWG deutlich besser weggesteckt als die Unabhängigen Wähler selbst. Das brachte Hansen im Rathaus in Stimmung und später Dieter Kleesiek, den Chef der UWG, auf der eigenen Wahlparty ins Grübeln. „Jemand wird Verantwortung übernehmen müssen, als 1. Vorsitzender werde ich mich dieser Verantwortung stellen“, kündigte er an.