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Fest wirbt für Bioanbau Hofgemeinschaft Grummersort lehrt Landbau

22.06.2015, 13:43 Uhr

Das Sommerfest der Hofgemeinschaft Grummersort war für Kinder gemacht. Spielerisch warb es für nachhaltigen Landbau – und um dessen Beachtung durch die Konsumenten von Morgen.

Um „Allerlei Kreisläufe“ ging es am Sonntag beim Sommerfest der Hofgemeinschaft Grummersort. Die Initiatoren des „Öko-Karussells“ nahmen das Motto wörtlich: Eltern schoben ihre Kinder, und zwar immer um einen Akkordeon-Spieler herum, während sich die Jungen und Mädchen in ihren Schubkarren, Roll- und Bollerwagen gern gefallen ließen, dass sich die Erwachsenen mühten.

Betrieb 1979 eröffnet

Genau so hatte es sich Margret Zimmermann gewünscht. 1979 hatte sie Grummersort zusammen mit rund zehn Gleichgesinnten eröffnet – als wohl ersten biologisch-dynamisch wirtschaftenden Betrieb im Landkreis Oldenburg.

Landkommune startet mühsam

Nach mühsamem Beginn sei es für ihre Landkommune, wie man damals noch sagte, stetig bergauf gegangen, flankiert von Skandalen in der konventionellen Landwirtschaft, insbesondere der Rinderwahn-Krise Ende der neunziger Jahre, die der ökologischen Landwirtschaft zu einem wahren Boom verholfen. „Wir konnten die Nachfrage kaum noch befriedigen“, erinnert sie sich.

Heute leben fünf Familien in der Hofgemeinschaft, die einen als Käser für die zwischenzeitlich neu geschaffene Käserei, die anderen als Gärtner.

Zimmermann ist überzeugt davon, dass der ökologischen Landwirtschaft die Zukunft gehört. Nicht zuletzt deshalb hat sie gemeinsam mit einer Freundin ein pädagogisches Konzept aufgelegt. 80 bis 90 Schulklassen und Kindergruppen besuchen Grummersort inzwischen jährlich, backen auf dem Hof ihr eigenes Brot oder ernten Gemüse. „Sie glauben gar nicht, wie behutsam noch der raubeinigste Junge die selbst geerntete Gurke zu Tisch trägt“, sagt sie dazu.

Auch Einblicke in Handwerkskunst gewährt

Am Sonntag konnten die vielen Kinder unter den gut 2000 Gästen in Grummersort zudem Einblicke in traditionelle Handwerksarbeit gewinnen: Richard Lohmann und sein Vater schmiedeten mit ihnen Pfeilspitzen, an anderer Stelle entstand ein Zaun aus Kastanienholz vor den Augen der Kinder. Die Projekte sollten den Jungen und Mädchen nicht nur Achtung vor der Natur, sondern auch vor vorindustrieller Handwerkskunst lehren. Bei aller Freude über das gelungene Fest, findet Zimmermann alarmierend, dass der ökologische Landbau in Deutschland derzeit kaum noch wachse, in Niedersachsen gar rückläufig sei.

Konkurrenz und hohe Pachten

„Wir konkurrieren nicht nur mit Milchbauern, sondern auch mit Energieerzeugern und ihren Biogas-Anlagen.“ Diese könnten im Zweifelsfallen Pachten bezahlen, welche kein Milchbauer oder ökologisch wirtschaftender Betrieb aufzubringen in der Lage wäre. Auf diese Weise griffen Energieerzeuger gleich zweifach Subventionen ab: zunächst jene für die Landwirtschaft, dann solche, die sich hinter den Energiepreisen versteckten: „Das ist Wettbewerbsverzerrung“, sagt Zimmermann dazu.