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Festival am 29. Juli „Garden of Voices“ zum sechsten Mal in Hude

Von Merlin Hinkelmann | 07.06.2017, 11:38 Uhr

Bald wird es wieder laut in Stünkels Gartenparadies: Bereits zum sechsten Mal findet das „Garden of Voices“-Festival in Kirchkimmen statt. Eine Erfolgsgeschichte.

Der öffentliche Schaugarten der Familie Stünkel in Kirchkimmen ist eine Idylle. Ein Paradies für Naturliebhaber mit gepflegten Beeten, Buchsbäumen, einem Rhododendronpark und Koi-Teichen. 2012 begann an diesem Ort eine Erfolgsgeschichte. Zum ersten Mal richteten Henry Kunst und Nicolas Nitsche das „Garden of Voices“-Festival aus. Damals noch in kleinem Kreis, ganz privat mit 35 Leuten und drei Künstlern. In diesem Jahr erwarten sie bis zu 500 Besucher. 2016 war die Veranstaltung fast ausverkauft. Woher kommt der Erfolg? „Ich denke, es ist die intime Atmosphäre, die die Leute anzieht“, sagt Kunst. Sein Großvater ist Besitzer des Schaugartens. „Ohne die Unterstützung von Familie und Freunden könnten wir das nicht stemmen.“

Hamburger Band Le Fly kommt nach Hude

Am Samstag, 29. Juli, geht das Festival in seine nunmehr sechste Runde. Insgesamt sieben Bands und Singer-Songwriter werden von 13 bis 24 Uhr auf der Bühne stehen. Wobei es eine traditionelle Bühne eigentlich gar nicht gibt. „Die Musiker stehen quasi mitten im Garten, sind nur ein paar Schritte entfernt von den Zuschauern“, erklärt Nitsche. Genau das macht für den 27-Jährigen den Reiz des Festivals aus. „Hier wird einem klar, dass hinter den Bands Menschen wie du und ich stehen.“ Auch für die sechste Ausgabe des Festivals habe man wieder ein „hochkarätiges Line-up“ gewinnen können. Als Headliner tritt unter anderem die Hamburger Band Le Fly auf, die auch regelmäßig auf dem Deichbrand-Festival spielt. „Das muss man sich mal vorstellen: Die stehen normalerweise vor 10.000 Leuten“, sagt Kunst. Auch die Gruppe Eloquent reist aus Hamburg an. „Die machen richtig guten Hip-Hop, eine schöne Abwechslung.“ Und eine Band ist in diesem Jahr zum zweiten Mal dabei: Call it off kommt aus den Niederlanden und bringt laut Kunst „sehr rockigen, sehr schnellen Punk“ mit.

Viele Kontakte zur Musikszene

Die Reihenfolge der Musiker haben die Veranstalter ganz bewusst ausgewählt. Den Anfang macht der Solokünstler Alexander von Rothkirch. „Wir starten ruhig und werden dann mit der untergehenden Sonne immer lauter und lauter – wie ein Lautstärkeregler“, kündigt Nitsche an. Genauso wie Kunst hat er die meisten Künstler schon live gesehen. Die Chemie mit den Musikern muss stimmen, das ist ihnen ungemein wichtig. Nur so entsteht das gewisse Etwas, der „besondere Touch“, wie es Kunst formuliert: „Die Bands kennen sich untereinander und wir kennen die Bands. Hier ist jeder per Du. Fremde gibt es nicht.“ Wie sind die beiden Huder überhaupt auf die Idee gekommen? Nitsche hat damals regelmäßig die Konzertreihe „Afterwork Session“ im Bistro Zirkel veranstaltet, Kontakte zur Musikszene waren also da. Dort lernte er Henry Kunst kennen – und das Festival nahm Gestalt an. Erst in den Köpfen, dann ganz real. Der Erfolg riss über die Jahre nicht ab, das Festival wurde größer und größer. Kunst bezeichnet es als „langsames, aber gesundes Wachstum“.

25 Helfer unterstützen die beiden

An das Jahr 2015 erinnern sich Kunst und Nitsche noch gut. Das Wetter war, gelinde gesagt, miserabel. Zwölf Grad und Starkregen, Land unter im Gartenparadies. „Das schlug auf die Stimmung, hier stehen nämlich alle im Freien“, erinnert sich Nitsche. Auch in diesem Jahr treten die Bands nur unter einem Sonnensegel auf – das Wetter muss also mitspielen. Probleme mit Besuchern gab es in der Vergangenheit nie. Aggressive Leute möchten die Veranstalter unbedingt fernhalten, schenken deshalb auch keinen harten Alkohol aus. „Bier und Wein sind das Maximum“, betont Kunst. Er ist den 25 freiwilligen Helfern, die hinter ihm stehen, „unglaublich dankbar“. Auch die Gemeinde Hude unterstützt die beiden Musikbegeisterten bei ihrem Vorhaben. „Wir bieten dem Ort einen kulturellen Mehrwert – und zwar für jede Altersgruppe“, sagt Nitsche. Reich werden die beiden durch das Festival nicht. Doch das wollen sie auch nicht. Ihre Motivation ist eine andere: „Wir haben einfach Spaß an der Sache“, sagen sie.

Größer werden soll das Festival nicht

Das Engagement zahlt sich aus. Inzwischen erhalten Nitsche und Kunst Anfragen von Bands aus ganz Europa. „Italien, England, Finnland: War alles schon dabei“, erzählt Kunst. „Keine Ahnung, woher die überhaupt wissen, dass es uns gibt.“ Solche Anfragen lehnen die Veranstalter bei aller Freude über die Aufmerksamkeit jedoch ab. Denn eines soll das Festival auf gar keinen Fall werden: noch größer. „Alles andere würde den einzigartigen freundschaftlichen Charakter zerstören“, findet Kunst. Jetzt freut er sich erst einmal auf den 29. Juli – und auf die Zeit danach. „Wenn es vorbei ist, alle glücklich sind, ist das immer ein sehr befreiendes Gefühl.“