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Feuer gelegt Mildes Urteil für Wildeshauser nach Frust-Tat im Rausch

Von Alexander Schnackenburg | 24.01.2016, 12:03 Uhr

Mit einer Geldstrafe ist ein Wildeshauser in der Berufungsverhandlung um das Legen eines Feuers in einem Treppenhaus bestraft worden. Kein Hausbewohner kam dabei ernsthaft zu Schaden.

„Schwere Brandstiftung“ lautete der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft ursprünglich. Doch herausgekommen ist nach zwei Instanzen lediglich ein Schuldspruch des Angeklagten wegen „Sachbeschädigung“ sowie eine damit verbundene Geldstrafe von 50 Tagessätzen à 20 Euro – dennoch ein aus Sicht des Täters höchst ärgerliches Urteil des Landgerichts Oldenburg.

Zunächst sogar Freispruch erwirkt

Denn der 28-jährige Angeklagte aus Wildeshausen war im Grunde schon viel billiger davon gekommen: Hatte ihn das Amtsgericht Wildeshausen im Mai 2015 zunächst freigesprochen, so sah es danach aus, dass er auch die anschließende, von der Staatsanwaltschaft initiierte Berufungsverhandlung vor dem Landgericht Oldenburg nahezu unbeschadet überstehen sollte:

Raten nicht gezahlt

Die Kammer um den vorsitzenden Richter Tim Deuster einigte sich mit ihm im Juni 2015 darauf, das Verfahren gegen eine Zahlung von 200 Euro einzustellen. Doch trotz niedriger Raten zahlte der Angeklagte nicht, reagierte auch nicht auf die Anrufe des Vorsitzenden, der gestern folglich zunächst sichtlich enttäuscht in Richtung Anklagebank konstatierte: „So sieht man sich denn wieder.“

Aus Frust und schwer betrunken gezündelt

Wie die Verhandlung in der Folge ergab, hatte der Angeklagte im November 2014 offenbar aus Frust und schwer betrunken ein paar alte Zeitungen im Treppenhaus vor der Wohnung seiner Ex-Freundin und Mutter seines Sohnes angezündet und auf diese Weise einen Schwelbrand ausgelöst.

Der Schaden hielt sich allerdings in Grenzen: Lediglich die Fußmatte vor der Wohnung verbrannte weitgehend. Die teilweise verkohlte Wohnungstür tauschte der Vermieter später offenbar vor allem aus ästhetischen Gründen aus. Kein Hausbewohner aber kam ernsthaft zu Schaden, wohl auch deswegen nicht, weil einer von ihnen das Feuer schließlich aufgrund des Qualms im Treppenhaus bemerkte und löschte.

„Hohes Gefahrenpotenzial“

Zwar sprach Deuster in seiner Urteilsbegründung von einem „hohen Gefahrenpotenzial“: Die Aktion des Angeklagten hätte schwerwiegende Folgen für Leib und Leben der Hausbewohner haben können. Eine Brandstiftung aber, von der in dieser zweitinstanzlichen Verhandlung auch die Staatsanwaltschaft nicht mehr ausgegangen war, könne man dem Angeklagten nicht vorwerfen.