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Finanzreserven 2018 aufgebraucht Betreuungsverein für den Kreis Oldenburg unter Druck

Von Dirk Hamm | 28.10.2017, 00:11 Uhr

Wildeshausen/Landkreis Oldenburg. Den Betreuungsverein Oldenburg-Land mit Sitz in Wildeshausen könnte mittelfristig das Aus ereilen. Seit Jahren nicht gestiegene Vergütungen bereiten diesen Institutionen, die auf der Grundlage des Betreuungsgesetzes tätig sind, generell große finanzielle Sorgen.

„54 Betreuungsvereine sind bundesweit von der Schließung bedroht“, erklärte Egbert Ahlrichs, Geschäftsführer des im Landkreis Oldenburg aktiven Vereins, gegenüber dem dk. Zwar sei der Verein im Hinblick auf die Fördergelder insbesondere des Landkreises „gut aufgestellt“. Diese Mittel machten aber nur ein Drittel des Budgets aus, der Rest müsse selbst erwirtschaftet werden.

Vergütung seit 2005 nicht angepasst

Und genau hier liegt das Problem: „Wir kommen zunehmend in Schwierigkeiten, weil die Vergütung seit 2005 nicht angepasst worden ist“, erläuterte Ahlrichs. Noch immer werden folglich für die – neben der Vermittlung von Ehrenamtlichen und der Beratung von Familienangehörigen – übernommene hauptamtliche Betreuung wie vor zwölf Jahren festgesetzt 44 Euro pro Stunde bezahlt.

Außerdem können laut Ahlrichs für die Arbeit pro Betreuungsfall nur 3,2 Stunden abgerechnet werden, bei einem Zeitaufwand, der tatsächlich bei 4,2 Stunden liege.

„Wir sind ein Opfer des Föderalismus“

Eine Verbesserung der Vergütung auf 50,60 Euro pro Stunde habe der Bundestag zwar beschlossen. Im Bundesrat sei dieser Schritt bislang von den Ländern aber ausgebremst worden. „Wir sind ein Opfer des Föderalismus“, sagt Ahlrichs, der dringenden Handlungsbedarf seitens der Politik sieht. Denn komme es nicht zu der notwendigen Anhebung, seien die Reserven zum Jahresende 2018 aufgebraucht.

Ende der Verzögerungshaltung erhofft

Ahlrichs hofft darauf, dass die Bundesländer ihre Verzögerungshaltung rechtzeitig aufgeben. Schließlich seien sich „parteiübergreifend alle einig“ gewesen, dass sich an der finanziellen Ausstattung der Betreuungsvereine etwas ändern müsse.

Im schlimmsten Fall setzt der Geschäftsführer darauf, dass eine Aufgabe des Betreuungsangebots vermieden werden kann: „Der Landkreis wird uns nicht fallen lassen.“

Mehr Fälle nicht nur durch Alterung der Gesellschaft

Drei Mitarbeiter zählt das Team des Vereins am Mühlendamm 1 in der Kreisstadt. De facto, so Ahlrichs, stehe eine Vollzeitstelle für die Betreuung zur Verfügung. Dieser knappen Personalressource stehe eine steigende Zahl von Betreuungen gegenüber. Das hängt nicht zwangsläufig nur mit der Alterung der Gesellschaft zusammen, erklärt Ahlrichs: „Es gibt auch eine stark wachsende Gruppe jüngerer Menschen, die wegen einer Doppeldiagnose psychische Störung und Sucht betreut werden müssen.“

Auch in der Gruppe der 50- bis 60-Jährigen sei eine Zunahme der Fallzahlen zu verzeichnen. Außerdem sinke die Zahl der Familienangehörigen, die sich die Übernahme einer Betreuung zutrauen.