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Firmennachfolge gesucht Workshops in Ganderkesee richten sich an Gründerinnen

Von Mareike Bader | 24.01.2018, 10:21 Uhr

Die IHK rät Unternehmern, sich rechtzeitig um die Nachfolgefrage zu kümmern. In Ganderkesee werden mit Workshops besonders Frauen angesprochen.

Nur jeder vierte Unternehmer über 55 Jahre hat seine Nachfolge für sich und sein Unternehmen verbindlich geregelt. Dies geht aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer unter über 500 niedersächsischen Unternehmen hervor.

„Nachfolger sind gegenwärtig leider Mangelware“, berichtet Michael Höller, Nachfolgeberater bei der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK). Das gilt auch für Ganderkesee: „Wir haben enorm viele Betriebe, in denen die Nachfolge nicht geregelt ist“, bestätigt Christa Linnemann, Wirtschaftsförderin bei der Gemeinde.

„Frauen haben andere Ansprüche“

Zusammen mit der Existenzgründungsagentur für Frauen (EFA) sollen durch Beratungen und Workshops besonders Frauen angeregt werden, den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Das Angebot wird gut angenommen. Etwa vier Mal pro Jahr finden die Workshops statt. Frauen würden sich vor einer Gründung sehr gründlich informieren, sagt die Erfahrung.

Der nächste gemeinsame Gründerinnen-Workshop findet am Mittwoch, 6. Juni, ab 9 Uhr im Alten Rathaus statt. Anmeldungen nimmt die regioVHS unter Telefon (04222) 44444 entgegen. Auch die IHK bietet reichlich Informationsmaterial an sowie Nachfolge-Sprechstunden oder ein „Notfall-Handbuch“ für die Planung.

Arbeit, Familie und eigene Erwartungen müssen unter einen Hut gebracht werden

„Frauen haben andere Ansprüche“, weiß Linnemann. Dazu gehöre auch, die Arbeit mit allen Möglichkeiten und Pflichten, das familiäre Umfeld und die eigenen hohen Erwartungen unter einen Hut zu bekommen. „Da kann man schon stärker zerrissen werden, als wenn man sich erst mal vorwiegend nur auf sein Geschäft konzentriert.“ So würden es nämlich die meisten Männer bei der Gründung handhaben, sagt Linnemann.

Die Selbstständigkeit biete viele Vorteile. Für Frauen bedeutet das etwa flexibel einteilbare Arbeitszeiten. Es sei durchaus möglich, die Arbeitszeit auf den Vormittag und den Abend zu verteilen, damit mittags Zeit für die Familie ist, erklärt Diplom-Sozialwirtin und Beraterin Kerstin Vogelsang von der EFA.

Arbeitswelt im Wandel

Die Arbeitswelt sei im Wandel. Das sehe man auch an Menschen, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, sagt Vogelsang. „Eine Neuorientierung findet heute häufiger statt als noch vor zehn oder zwanzig Jahren.“ Das betrifft auch bestehende Unternehmen, denn die Weiterführung durch die Kinder ist keine Selbstverständlichkeit mehr, wie aus der IHK-Umfrage hervor geht.

Daher wird auch eine Übergabe an Mitarbeiter angeregt. Nach Auffassung der IHK sei dies in Zeiten des Fachkräftemangels eine gute Möglichkeit, diese langfristig an das Unternehmen zu binden.

Existenzgründungen im Oldenburger Land überdurchschnittlich

Bei der aktuellen guten Arbeitsmarktsituation würden viele vermehrt eher das Angestelltenverhältnis suchen oder beibehalten, berichten die beiden. Doch Unternehmer sind wichtig für die Wirtschaft, auch um weitere Arbeitsplätze zu schaffen.

Allgemein sei die Zahl der Unternehmensgründungen zwar rückläufig. „Im Oldenburger Land sind wir dagegen überdurchschnittlich“, sagt Vogelsang.