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Flüchtlinge in Ganderkesee Geflohene Syrer in Ganderkesee gut angekommen

Von Reiner Haase | 10.09.2015, 17:00 Uhr

48 der gut 200 Flüchtlinge in Ganderkesee sind der alltäglichen Todesgefahr in Syrien entkommen. Sie berichten von sehr herzlicher Aufnahme und viel Unterstützung im Alltag.

Dänemark war Basel Taifours Ziel, als er dem mörderischen Zwangsdienst im syrischen Militär entfloh, aber nach fast genau einem Jahr in einer Gemeinschaftsunterkunft will er Ganderkesee nicht mehr verlassen. „Ich bin überall sehr gut angenommen worden. Ich habe die Hilfsbereitschaft der Nachbarn und der Gemeinde erlebt. Immer war jemand da“, sagt der 25-Jährige.

Heiratspläne

Taifour berichtet vom Rentner aus Stenum, der fast täglich mit Speisen und Getränken vorbeikommt und ihn in den VfL Stenum gelockt hat, wo der Fußballtrainer seine Qualitäten als Torjäger entdeckt hat. Und er lernt Deutsch, benötigt nur noch selten die Unterstützung der Diakonie-Sozialarbeiterin Sandra Baba als Dolmetscherin. „Der Liebe wegen“, sagt Taifour strahlend: Im Übergangswohnheim hat es gefunkt, er will seine Katharina im Sommer 2016 heiraten.

Verwandte hergelotst

Das Glück guten Angekommenseins in Ganderkesee teilt Basel seit zwei Wochen mit seinem Cousin Hekmat (39), dessen Frau und den vier gemeinsamen Kindern im Alter von elf, neun, sieben und drei Jahren. „Das Handy ist für Flüchtlinge ein Segen“, sagt Sozialarbeiterin Baba. Damit hat Taifour seine Verwandten nach der Registrierung als Asylbewerber in München nach Ganderkesee gelotst. Zwischenstationen in Deutschland waren das Aufnahmelager in Bramsche, noch einmal München und das Aufnahmelager in Friedland. „Auch in Ganderkesee mangelt es an Wohnraum für Flüchtlinge. Es war ein glücklicher Umstand, dass zur rechten Zeit eine Wohnung verfügbar war“, stellt Hauke Gruhn, der Pressesprecher der Gemeinde, fest.

Strapazen auf dem Mittelmeer

Anders als Basel Taifour, der den Fluchtweg über die Türkei, Griechenland und den Balkan genommen hat, ist Hekmats Familie fast drei Jahre in einem elenden Lager in Ägypten hängengeblieben. Schließlich ging es von Libyen aus mit 200 anderen Flüchtlingen in einem völlig überfüllten Boot ohne Nahrung übers Mittelmeer auf eine italienische Insel, deren Namen Hekmat Taifour gar nicht kennt. „Der Schlepper hat uns betrogen“, lässt er Baba übersetzen, „die Überfahrt sollte zwei Stunden dauern. Daraus wurden drei Tage und zwei Nächte.“ Zu trinken gab es lediglich Seewasser. Nach dem Anlanden in Italien musste das Rote Kreuz erst einmal völlig überreizte Kehlen pflegen. Und die kleine Aisha hatte schon vergessen, dass Wasser gar nicht salzig schmecken muss.

Familien in Damaskus

Basel Taifour hat längst andere Flüchtlinge aus Syrien unter seine Fittiche genommen, seit ein paar Tagen auch die Cousins Jamal und Samir Al Meshaal aus Damaskus. Er zeigt ihnen, welche SIM-Karte die beste ist, wo es das richtige Fleisch, die arabischen Gewürze gibt. Er zeigt auf, wie die Familien nachkommen können, die in Damaskus auf die Zusammenführung warten. Und alle wollen so gut Deutsch lernen, dass sie Ausbildungen absolvieren und arbeiten gehen können.