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Folgen der nassen Witterung Gülle-Problem in Ganderkesee nicht so groß wie anderswo

Von Thomas Breuer | 19.12.2017, 09:41 Uhr

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Wegen des seit Monaten regnerischen Wetters konnten viele Bauern weniger Gülle als geplant auf die Felder bringen. Das wird zum Problem, auch wenn das Land die Gülle-Winterpause aufgehoben hat.

„Wer jetzt Gülle abfahren lassen will, bekommt noch nicht einmal ein Angebot.“ Jürgen Logemann aus Benthullen (Gemeinde Wardenburg) ist stellvertretender Vorsitzender des Landvolks Oldenburg und spricht von einer sehr ernsten Situation für die landwirtschaftlichen Betriebe mit Viehaufzucht und -haltung auch im Landkreis Oldenburg.

Vieh schon deutlich früher in den Ställen

Im Zuge der sehr verregneten vergangenen Monate konnte Gülle einerseits nicht ausgebracht werden, andererseits mussten die Tiere wegen der Nässe schon deutlich früher als sonst in die Ställe. „Dass sie die Grünflächen schwarzlaufen, macht für die Folgejahre keinen Sinn“, sagt Logemann. Das Problem sei groß, Güllebehälter voll und selbst ausgediente Behältnisse würden wieder aufgearbeitet. (Weiterlesen: Gülleflut in Niedersachsen: Land kippt Winterpause) 

Was Logemann für große Teile der Landwirtschaft im Nordwesten als kritische Situation darstellt, trifft die Gemeinde Ganderkesee offenbar nicht ganz so schlimm. „Sandig und trocken“ sei etwa im Vergleich in Ganderkesee und Bookholzberg die Grundkonstellation der Böden, sagt Landwirt Cord Wübbenhorst. „Für uns ist es deshalb nicht ganz so schlimm, die Böden sind schneller wieder befahrbar.“

Felder schon früh nicht mehr befahrbar

Aber auch Wübbenhorsts Hof hat als Rindermastbetrieb mit dem Hauptfutter Mais mit besonderen Schwierigkeiten aufgrund der Witterung zu kämpfen. Felder konnten teilweise schon in den Sommermonaten nicht mehr befahren werden, Wübbenhorsts Mais steht hier und da immer noch. „Da können wir wohl 25.000 bis 30.000 Euro abschreiben“, sagt er.

Sorgen, dass seine Güllebehälter überlaufen, hat er indes nicht. Die Lagerkapazitäten seien ausreichend, weil die Maisfelder jedes Jahr erst wieder ab Februar gedüngt würden. „Für einen reinen Grünlandbetrieb, der das ganze Jahr über düngt, sieht das natürlich anders aus“, sagt Wübbenhorst.

Aufnahmeregelung des Landes

Das Land Niedersachsen hat, um die Landwirte zu entlasten, gerade die im Normalfall bis Anfang Februar reichende Gülle-Winterpause aufgehoben; wenn auch nur für stickstoffhaltige Abwässer mit bis zu zwei Prozent Trockenmasse – bei normaler Gülle sind es um die zehn Prozent. Sollten die Flächen weiter unbefahrbar sein, könnten gar nach entsprechender Genehmigung mit besonderen Folien geschützte Erdbecken eingerichtet und für die Lagerung genutzt werden.

„Sollte ein akuter Notfall auftreten, werden wir schnell und unbürokratisch entscheiden“, sagt der Sprecher der Kreisverwaltung, Oliver Galeotti. Bisher lägen aber „noch keine Anträge zur Ausbringung von Gülle oder Gärresten zur Abwendung eines Notfalles vor“. Überdies hätten die betroffenen Betriebe nachzuweisen, dass sie alle denkbaren Möglichkeiten zur Lagerung geprüft haben, wie die Anmietung von Nachbarbehältern oder eine Abgabe über die Güllebörse.

Preise für Lagerbehälter haben angezogen

Eine schnelle Hilfe verspricht sich Landvolk-Vertreter Jürgen Logemann von der Sonderregelung nicht. Er mutmaßt zu aufwendige Genehmigungsprozesse. Und wo noch Lagerbehälter anzumieten seien, hätten die Preise dafür spürbar angezogen.

„Wir haben ausreichend Lagerkapazitäten“, sagt ein Ganderkeseer Landwirt, der nicht genannt werden möchte. „Man muss sich frühzeitig kümmern.“