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Fragestunde für Helfer Rechtsanwältin berät in Bookholzberg über Flucht und Asyl

Von Alexander Schnackenburg, Alexander Schnackenburg | 14.09.2016, 18:11 Uhr

Rechtsanwältin Mareike Kaempf hat am Montagabend in Bookholzberg zu einer besonderen Fragegestunde geladen. 20 Flüchtlingshelfer informierten sich dabei in Fragen zu „Flucht, Asyl, Integration“.

Fragestunde der besonderen Art: Rund 20 Flüchtlingshelfer aus der Region haben sich am Montagabend im Zuge des regioVHS-Kurses „Flucht, Asyl, Integration“ bei der Oldenburger Rechtsanwältin Mareike Kaempf über alles schlau gemacht, was ihnen rund ums Bleiberecht und daran anknüpfende Themen auf den Nägeln brannte. So ungemein kompliziert sich dabei doch die Fallstricke des deutschen Verwaltungsrechts ausnahmen, so einfache Antworten fand die Referentin zumindest auf einzelne Fragen.

Rechtsanwalt aufsuchen, wenn Asylbescheid eintrifft

Den Zeitpunkt etwa, zu welchem Flüchtlinge, die in Deutschland bleiben wollten, spätestens einen Rechtsanwalt aufsuchen sollten, datierte sie auf genau jenen Moment, in welchem der Asylbescheid eingetroffen sei, gegen den es nämlich üblicher Weise vorzugehen gelte, zumal dann, wenn dieser Bescheid lediglich – wie derzeit meistens – dem Antragssteller das Recht auf „subsidiären Schutz“ bescheinige.

Derartige Bescheide, so Kaempf erhielten derzeit nicht zuletzt die meisten Flüchtlinge aus Eritrea, obwohl dort seit langem ein brutaler Bürgerkrieg herrsche. In ihren Augen haben all diese Geflüchteten ein Recht auf uneingeschränkte Anerkennung ihres Flüchtlingsstatus. Dieser Status komme nicht nur einem drei- statt einjährigen Aufenthaltsrecht in Deutschland gleich, sondern biete auch die beste Voraussetzung, um dauerhaft in der Bundesrepublik bleiben zu dürfen, also eine „Niederlassungserlaubnis“ zu bekommen.

„Interview“ muss geübt werden

Kaempf unterstrich in Bookholzberg wie schon in anderen Vorträgen, dass sie das „Interview“, welches Flüchtlinge, die einen Asylantrag stellten, vor dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge zu halten hätten, für das „Abitur und Examen zugleich“ halte: Diesem Gespräch mäßen die deutschen Behörden eine unverhältnismäßig hohe Bedeutung zu. Obwohl viele Flüchtlinge so traumatisiert seien, dass sie kaum aus ihrer Heimat erzählen könnten, wollten die Beamten „Schlimmes und Details von Schlimmem“ hören – eine halbe Stunde lang.

Diese halbe Stunde so detailliert wie nur möglich zu referieren – das müssten alle Flüchtlinge unbedingt trainieren. Und wer ihnen helfen wolle, tue gut daran, eben dies immer und immer wieder mit ihnen zu üben.

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