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Frau aus Hude zeigt Zivilcourage Mutige Huderin hilft bei Fahrraddieb-Ermittlung

Von Reiner Haase | 18.06.2015, 19:01 Uhr

Ute McKeever-Nöldner ist von der Polizei als couragierte Bürgerin ausgezeichnet worden. Die Huderin hat alle Hemmungen überwunden, einen Fahrraddieb anzuzeigen.

Das schnelle und beherzte Handeln und die präzisen Angaben Ute McKeever-Nöldners haben es ermöglicht, einen Fahrraddiebstahl in Hude aufzuklären und den Dieb festzunehmen. Dem Leiter des Polizeikommissariats Wildeshausen Markus Voth ist das einen Blumenstrauß wert: „Das ist ein kleiner Dank, der von Herzen kommt, für eine Tat, die nicht selbstverständlich ist“, so Voth, „das ist Zivilcourage.“ Er hatte die Huderin jetzt zum Dank in die Huder Polizeistation eingeladen.

Mit Zange an Fahrrad hantiert

Eigentlich war die 48-jährige an jenem Freitag im Mai auf der Suche nach dem gestohlenen Fahrrad ihrer Stieftochter. Am Ausgang Hohe Straße des Huder Bahnhofstunnels fiel ihr ein Mann auf, der hockend mit einer verrosteten Zange an einem Fahrrad herumhantierte. Nach kurzem Zögern sprach sie ihn an und bekam zur Antwort, der Schlüssel sei abgebrochen. „Mir kam das komisch vor, irgendwie nicht plausibel“, erinnert sich McKeever-Nöldner. Sie habe sich ein Stück weit entfernt, auch ans Wegfahren gedacht, dann aber doch die Polizei alarmiert. Als der Beobachtete nun ebenfalls zum Handy griff, wurde ihr mulmig: „Ist er Teil einer organisierten Bande? Kriegt er heraus, wo ich wohne?“ – „Ich würde wieder so handeln“, ist die Huderin trotzdem überzeugt.

Sicherheitsabstand eingehalten

„Frau McKeever-Nöldner hat alles richtig gemacht“, stellt Sebastian Nitsch, der Präventionsbeauftragte des Wildeshauser Polizeikommissariats, fest. Sie habe genau hingeschaut. Sie habe den Verdächtigen deutlich und ruhig angesprochen. Sie habe einen Sicherheitsabstand geschaffen und dann umgehend die Polizei informiert. „Vor allem die direkte Ansprache ist mit Herzklopfen verbunden“, ergänzt Voth, „ich finde das richtig mutig. Und dann müssen auch noch innerhalb weniger Sekunden Entscheidungen getroffen werden.“

Staatsanwalt ermittelt weiter

Den Fortgang der Ereignisse an jenem Freitag schildert Kommissariatsleiter Voth. Dank der genauen Beschreibung habe die Polizei den Verdächtigen ausfindig gemacht. In seinem Gepäck sei die verrostete Zange und anderes Werkzeug gefunden worden. Der Mann sei der Polizei von anderen Eigentumsdelikten bekannt. Die Akte liege nun bei der Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen weiterführe. Für die Polizei hat dieser Fall die schlechte Aufklärungsquote bei Eigentumsdelikten ein bisschen aufgehübscht. „Ganz stark zu hoffen ist, dass weitere Fahrraddiebstähle verhindert worden sind“, sagt Nitsch.

Andere schauen lieber weg

Für die couragierte Huderin ist die Geschichte vielleicht noch nicht beendet. Sie hat bei der Polizei ein Zeugenprotokoll ausgefüllt. Sollten die staatsanwaltlichen Ermittlungen in ein Gerichtsverfahren münden, dürfte sie als Zeugin geladen werden. Diese Konsequenzen habe möglicherweise mancher im Hinterkopf, der lieber wegschaue, als beherzt einzugreifen, meint Voth. Für Ute McKeever-Nöldner war es jedenfalls überraschend, wie viele Menschen an jenem Freitagnachmittag mitten im Feierabendverkehr einfach vorbeigegangen sind.