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Freilichtbühne in Bookholzberg NS-Kultstätte „Stedingsehre“ zog die Massen an

Von Dirk Hamm | 06.11.2015, 15:18 Uhr

Noch heute sind auf dem Bookholzberg die erhaltenen Teile der NS-Kultstätte „Stedingsehre“ zu sehen. Dort wurde 1935 ein verklärendes Historienspektakel aufgeführt.

Wenn am Samstag der Arbeitskreis Stedingsehre sein zehnjähriges Bestehen mit Vorträgen und einem Podiumsgespräch feiert, dann ist der Blick auch auf die Geschichte der monumentalen Freilichtspielstätte auf dem Bookholzberg gerichtet. Bis heute, etwas mehr als 80 Jahre nach ihrer Errichtung, sind Teile der weitläufigen Anlage mit dem Kulissendorf, dem Tribünenhalbrund und dem vorgelagerten Wassergraben erhalten geblieben, sie stehen unter Denkmalschutz. Eine gute Gelegenheit, das südlich der Bahnlinie am Ortsrand gelegene Areal der ehemaligen NS-Kultstätte zu besichtigen, ergibt sich bei einer Erkundung, zu der am kommenden Samstag, 14. November, die Gästeführerinnen Inge Meyer und Lisa Dirks einladen. Beginn ist um 14 Uhr am bfw-Haupteingang an der Apfelallee.

Historiendrama verklärte Kampf der Stedinger

Das Spieldorf sollte die lebensechten Kulissen bieten für ein Stück, das der Heimatdichter August Hinrichs 1934 verfasst hat: „De Stedinge“. Darin wird der letztlich aussichtslose Kampf der Stedinger Bauern gegen die Oberherrschaft des Bremer Erzbischofs verklärt – genau der richtige Stoff, der den im Jahr zuvor an die Macht gelangten Nationalsozialisten ins völkisch-ideologische Kalkül und in ihre Propagandastrategie passte. 1934 jährte sich die Schlacht bei Altenesch, in der ein übermächtiges Kreuzzugsheer den Freiheitskampf der Stedinger blutig beendete, zum 700. Mal.

Gauleiter Carl Röver forcierte den Bau der Kultstätte

Der Oldenburger NS-Gauleiter Carl Röver setzte sich mit Nachdruck dafür ein, dass auf der kleinen Anhöhe im damaligen Dorf Grüppenbühren, dem Bookholzberg, eine eindrucksvolle Weihe- und Festspielstätte errichtet wurde. Die Pläne der Nazis gingen dabei weit über die Vorführung des Schauspiels hinaus, die Anlage sollte auch Massenkundgebungen der Nationalsozialisten Platz bieten, außerdem sollte ein Schulungszentrum für die NSDAP entstehen. Der NS-Chefideologe Alfred Rosenberg und SS-Chef Heinrich Himmler waren persönlich zugegen, als am 29. Oktober 1934 der Grundstein für die Freilichtbühne „Stedingsehre“ gelegt wurde.

Weitergehende Pläne der Nazis nicht verwirklicht

Am 13. Juli 1935 war die riesige Spielstätte bereit für die feierliche Eröffnung mit der Aufführung von „De Stedinge“. Das niederdeutsche Historiendrama war im Vorjahr am Schlachtenort Altenesch uraufgeführt worden. Die „Stedingsehre“ bot nun die Bedingungen für ein inszeniertes Massenspektakel, das in zwei Spielzeiten 1935 und 1937 mehr als 150000 Zuschauer anzog. Die groß angelegten Pläne einer „Gauschulungsburg“ der Partei wurden danach nicht mehr verwirklicht.