Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Führung ins Falkenburger Lager Landpartie zum Säbelrasseln nach Falkenburg

Von Thorsten Konkel | 27.10.2015, 14:31 Uhr

Am Sonntag, 8. November 2015, lädt Elisabeth Kühling zur Landpartie „Wir tauchen ein ins Falkenburger Lager“ ein. Start ist um 10 Uhr bei der Zimmerei Meyer in Falkenburg an der Straße In der Helle 8.

Militärische Großmanöver sind keine Erfindung des Kalten Krieges: Dass das Säbelrasseln schon vor knapp 200 Jahren zum Verteidigungsarsenal der Herrschenden gehörte, beweist Elisabeth Kühling am Sonntag, 8. November 2015, mit ihrer Landpartie unter dem Motto „Wir tauchen ein ins Falkenburger Lager“.

Großmanöver ab 1837

Auf den Äckern an der Furthstraße in Falkenburg, dort, wo heute Feldfrüchte friedlich vor sich hinwachsen, gab es in den Septembermonaten der Jahre 1837, 1840 und 1846 jeweils für vier Wochen große Manöver unter Leitung des Großherzogs von Oldenburg.

Gemeinsame Ausbildung von bis zu 5000 Mann

„Man nannte den Standort Falkenburger Lager“, erklärt Kühling. Bereits Jahre 1834 hatte Oldenburg mit den Hansestädten Bremen, Hamburg und Lübeck einen Vertrag über eine gemeinsame Ausbildung der Truppen abgeschlossen, die für das Heer des deutschen Bundes zu stellen waren.

Lager reichte von Falkenburg bis KühlingenDas Heerlager mit bis zu 5000 Soldaten und Hunderten von Zelten wurden auf der Helle aufgeschlagen und reichte bis Kühlingen. Einen Teil der riesigen provisorischen Garnisonsstadt werden Kühling und Rita Bande am Tag der Führung mit Pflöcken und Flatterband erkennbar machen.

Das Lager erstreckte sich entlang der heutigen Furthstraße“, sagt Kühling.

Offiziere schlafen auf Bauernhöfen

Auch die angrenzenden Ländereien gehörten zum Lagerplatz, Offiziere kamen anstatt in den Zelten bequemer auf Bauerhöfen unter. Der

Großherzog logierte an der Welsestraße

Großherzog quartierte sich bei Alsweh (heute an der Welsestraße 6, Sitz der Familie Oltmanns) ein. Das Manövergelände umfasste als Schulübungsgebiet das Gelände um Hollen, Bookhorn, Almsloh, Ganderkesee, Urneburg, Bürstel, Elmeloh, Stenum und Grüppenbühren.

Scharf geschossen

Geschossen wurde scharf: „Von einem ewigen Gewehr- und Kanonenfeuer berichtet Unteroffizier Suhling“, sagt Kühling. Der Zeitzeuge nahm 1837 an einem Manöver teil und hielt die Geschehnisse detailgenau in Briefen an seine Eltern fest.

dk berichtete schon vor knapp 200 Jahren über das Lager

Aus ihnen berichtet Kühling am 8. November ebenso wie aus den historischen Ausgaben des Delmenhorster Kreisblatts.

Dessen Vorläufer, das damals im Verlag Reick erschienene „Wochenblatt für den Kreis Delmenhorst“, berichtete regelmäßig über das Lagerleben, die Manöver – und es veröffentlichte die Bulletins der Militärverwaltung.

Aufruf zur Kartoffellieferung

Darunter der Aufruf, der Truppenküche ausreichend Kartoffeln zu liefern – gegen ordentliche Bezahlung versteht sich. Dass das Lagerleben für die Soldaten trotz des militärischen Drills nicht ganz unangenehm war, belegt ein Eintrag ins Kirchenbuch:

„Nahkampf“ auch abseits des Manövers

Der Ganderkeseer Pastor Greverus bemerkte in der Kirchenchronik, dass im Jahre 1838 keine einzige uneheliche Geburt vorgekommen sei, die man zeitlich dem Falkenburger Lager zuordnen könne.

Marketenderinnen versüßen Militärdienst

„Denn, so Kühling“, in der Manöverzeit hatten sich neben dem Soldatenlager Märkte mit Buden, Marketenderinnen und allerlei Zerstreuung angesiedelt.

Wer das „lustige Soldatenleben“ von vor knapp 200 Jahren kennenlernen will, kann am 8, November ohne Anmeldung die drei Kilometer lange und etwa zweistündige Wanderung mitmachen. Kosten: drei Euro pro Person, Jugendliche bis 16 Jahre laufen gratis mit.