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Ganderkesee kauft das Rathaus Gemeinde Ganderkesee regiert bald im eigenen Haus

Von Reiner Haase | 15.10.2015, 23:09 Uhr

Die Gemeinde Ganderkesee kauft zum Jahreswechsel das Rathaus. Die Neuverschuldung um 7,6 Millionen Euro sei „rentierlich“.

Mit einstimmigem Beschluss des Gemeinderats kauft sich Ganderkesee mit Wirkung zum Jahreswechsel 2015/2016 aus dem Mietvertrag für das Rathaus und übernimmt den Komplex ins kommunale Eigentum. Bei der KfW-Bank wird dafür ein Kredit von 7,6 Millionen Euro aufgenommen. Das ist am Donnerstag mit ebenfalls einstimmigem Beschluss in einem Nachtragshaushalt abgesichert worden. Lediglich Ratsherr Otto Sackmann enthielt sich der Stimme; er erklärte, er habe die Unterlagen einfach zu spät aus seinem Fach im Rathaus abgeholt.

Zugriff bei niedrigen Zinsen

Sackmann war es am Donnerstag, der rückblickend auf 1996, das Baujahr des Rathauses, an die Weitsicht des damaligen CDU-Politikers Wilfried Westermann erinnerte, der für das Mietkauf-Modell mit Erwerb vom Bauherrn und Vermieter MBN Georgsmarienhütte zum Zeitwert im Jahr 2021 geworben hatte. Angesichts der Niedrigzinsphase hatte Anfang dieses Jahres wiederum die CDU-Fraktion angeregt, das Kaufgeschäft vorzuziehen. Aktuell beträgt der Zinssatz bei der KfW laut Erstem Gemeinderat Rainer Lange 0,36 Prozent. MBN hat mitgezogen, und der Rat ist in Gänze überzeugt, ein gutes Geschäft zu machen. Der Kredit soll in zehn Jahren abgetragen sein.

Rathaus in gutem Zustand

Bei der Gemeinde bleibt laut Verwaltung auch ein erheblicher Teil der 75000 Euro jährlich für die Unterhaltung der Gebäude, der bei weiteren Mietzahlungen aufs Konto des Vermieters flösse. Das Rathaus ist laut Verwaltung in so gutem Zustand, dass die tatsächlichen Kosten in den ersten Jahren wahrscheinlich spürbar geringer ausfallen.

Neuverschuldung „rentierlich“

Sackmanns Fraktionskollege Christian Marbach bemängelte, dass sich andere Ratsfraktionen erst jetzt, bei Verdoppelung der Gemeindeschulden, auf die Notwendigkeit des Sparens besönnen und dass die Gemeinde haushaltspolitisch „im Blindflug“ unterwegs sei, weil keine Eröffnungsbilanz über das Gemeindevermögen vorliege. Den „Blindflug“ bestritt der Erste Gemeinderat; man könne die Haushaltslage auch so überblicken. Die Verschuldung sei in den letzten Jahren kontinuierlich abgebaut worden. SPD-Fraktionschef Werner Brakmann nannte die jetzige Neuverschuldung „rentierlich“.