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Gartenserie: Deemter’scher Essgarten Garten der 1000 Köstlichkeiten

Von Reiner Haase | 07.04.2015, 15:19 Uhr

Die Familie Deemter zieht in ihrem Zwei-Hektar-Garten mitten in der Winkelsetter Feldmark Pflanzen aus aller Welt. Der Clou: Was das Auge auch erfasst, ist essbar.

Links Ackerland, rechts Ackerland – und mittendrin zwei Hektar mit unglaublicher Pflanzenvielfalt: Der „Essgarten“ der Familie Deemter in Winkelsett-Barjenbruch wirkt auf den ersten Blick wie ein Überbleibsel aus längst vergangener Zeit inmitten der landwirtschaftlich geprägten Kulturlandschaft. Das Gegenteil ist richtig: Frits und Heike Deemter haben vor nun bald 20 Jahren einem Landwirt zwei Hektar Ackerfläche abgekauft. Einmal abgesteckt, erschien das Landstück den ahnungslosen Stadtflüchtlingen viel größer als erwartet. Vorübergehende Ratlosigkeit wich Tatendrang: „Wir wollen anbauen, was die Naturvölker essen“, lautete der Entschluss.

Geworden ist daraus ein paradiesischer Fleck Erde mit weit über 1000 essbaren Pflanzen aus aller Herren Länder. Jüngste Bereicherung: Kamelien-Schösslinge, erstanden in einem Supermarkt. Die Kamelie, weiß Frits Deemter, ist ein Teebaumgewächs japanischer Herkunft. Und was zu Tee gebraut werden kann, wird auch verzehrbar sein.

Seit einigen Jahren empfängt Familie Deemter gerne angemeldete Gruppen, die beim Rundgang über das Grundstück rund um ein Wohn- und ein Gewächshaus staunen wollen über das, was die Gastgeber aus Samen und Schösslingen gezogen haben und zum Probieren freigeben. Auch Schulklassen werden an diesem besonderen Lernort empfangen.

Die Walnuss, die alten Apfelsorten – das sind Klassiker. Mehr Erstaunen weckt die Indianer-Banane. „Sie entfaltet im Mund eine Mischung allerlei exotischer Geschmäcker“, berichtet der experimentierfreudige Gärtner. Er weist darauf hin, dass mal die Wurzel, mal der Stängel, mal das Blatt, mal die Blüte, mal die Frucht und mal alles zusammen wohlschmeckend ist. Und gesund: Deemter empfiehlt „Vielfalt aus Pflanzen statt Vitamintabletten“. Außer nach Knochenbrüchen sei in den letzten Jahren niemand aus der fünfköpfigen Familie beim Arzt gewesen.

Pilze hier, Lilien dort, Sträucher mit Beeren, seit kurzem ein chinesischer Gemüsebaum und ganz neu Rebstöcke: Was das nordwestdeutsche Klima aushält, was von Experten als essbar eingestuft wird und was das Interesse der Deemters geweckt hat, wird ausprobiert. Ganz neu experimentiert Frits Deemter mit Trüffeln. Die Hunde Sunny und Nicky, eigens wegen der feinen Nase ausgesucht, werden zurzeit mit in Öl konservierten Früchten aufs Aufspüren der unterirdischen Köstlichkeiten trainiert. „Bei zehn Zentimetern Tiefe sind wir schon angekommen“, freut sich das Herrchen.

Dreimal im Jahr lädt Familie Deemter zu Tagen des offenen Gartens ein, das nächste Mal am Sonntag, 3. Mai. Dann wird ein Bärlauchfest gefeiert. Das frische Grün sprießt jetzt schon in einer von Feigenranken geschützten Laube mit Shiitake-Pilzen um die Wette und hat gegen Ende des Frühjahrs sein volles Aroma entfaltet.

So zufällig das Projekt Essgarten entstanden ist, so zielstrebig wird es weiterentwickelt. Aktuell will die Familie Deemter vorne auf dem Grundstück ein Gästehaus errichten. Die Politik in der Gemeinde und in der Samtgemeinde stehen schon hinter dem Projekt. Das Ja der Baubehörde beim Landkreis muss noch eingeholt werden.