Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Gasthof in Hoykenkamp Bei Menkens immer etwas Neues in petto

Von Birgit Stamerjohanns | 16.11.2018, 18:46 Uhr

Während viele Gasthöfe der Region zu kämpfen haben, schafft es Gerhard Menkens, für Stammkunden und neue Gäste attraktiv zu bleiben. An diesem Samstag steigt in Hoykenkamp eine Faschingssause.

Gerhard Menkens steht am Zapfhahn und wirkt erstaunlich gelassen angesichts des Dramas, das sich vor ihm auf dem Bildschirm abspielt. Nur selten ist ein angedeutetes Kopfschütteln zu erkennen. Werder Bremen liefert gerade eine pomadige Leistung ab, liegt deutlich zurück.

Der 51-jährige kann von Glück sagen, dass die rund 120 Besucher nicht schon vor Abpfiff in Scharen den Saal verlassen. Zwischen zweimal Zapfen checkt der Wirt auf dem Handy die Zwischenstände der anderen Spiele, gibt Infos an die Gäste weiter, die am Tresen die Partie verfolgen.

Umsätze an Werder-Erfolge geknüpft

Die Leidenschaft für den Fußball teilen die allermeisten hier mit dem Wirt, aber für Menkens geht es um mehr als drei Punkte. Seine Umsätze hängen bei den Liveübertragungen im „Grünen Hof“ stark vom Tabellenplatz der Grün-Weißen ab:

„Wenn die gut spielen und weit oben stehen, ist der Laden voll“, so der Gastronom, „sollte Werder irgendwann einmal absteigen, ist Fußball hier tot.“ Für ein Spiel in der Zweiten Liga würden sich vermutlich keine Massen auf den Weg in die Hoykenkamper Gastwirtschaft machen.

Ohne attraktive Angebote kein Überleben möglich

Nicht nur zu Spieltagen kommen die Gäste, die etwas zu feiern haben: Runde Geburtstage, Hochzeiten, aber auch Beerdigungen. Je nach Größe der Gesellschaft stehen der Saal oder verschiedene kleinere Räume zur Verfügung.

Aber mit Familienfesten allein kommt heute kein Gastwirt auf dem Land mehr über die Runden. In der Gemeinde Ganderkesee sind in den vergangenen Jahren Traditionsbetriebe verschwunden. Wer bestehen will, muss attraktive Angebote machen und sich durchboxen – der Hoykenkamper hat das vor einigen Jahren wortwörtlich genommen. Er hat einen Boxkampf organisiert und ist sogar selbst in den Ring gestiegen. Zwar kam er als Verlierer wieder heraus, aber die Bude war voll und die Zuschauer begeistert.

Mit neuen Ideen um Gäste werben

„Man muss sich immer etwas Neues einfallen lassen und schauen, was die Gäste wollen“, so Gerhard Menkens, „ich bin allem gegenüber aufgeschlossen.“ Ob Familien beim Laternelaufen oder Schunkelwillige beim Oktoberfest, ob Skatbrüder oder Linedancer, in Hoykenkamp sind alle willkommen.

Gerade auch die, die ganz große Sausen mögen. Am heutigen Samstag steigt ab 21 Uhr die „Faschingsparty für Alle“ mit Musik, Tanz und einem passend geschmückten Festsaal.

Selbst begeistert beim Fasching dabei

„Wir rechnen mit rund 200 Gästen“, so der Hoykenkamper. Seine Faschingsparty wird von Jahr zu Jahr beliebter.

Gerhard Menkens selbst ist beim Feiern der fünften Jahreszeit genauso mit Herzblut dabei wie beim Fußball: Vor 18 Jahren hat der gelernte Koch mit Freunden und Bekannten aus der Umgebung den „Hausmänner-Stammtisch“ ins Leben gerufen.

Die Truppe trifft sich jedes Jahr ab Anfang September, um einen neuen Wagen für den Faschingsumzug zu bauen. Im vergangenen Jahr belegten die Hausmänner den 3. Platz beim Fasching um den Ring in einem Stewardessen-Outfit – Motto: „Alle fliegen auf uns!“ Gerhard Menkens hat noch sämtliche Kostüme der vergangenen Jahre im Schrank hängen: „Die passen mir auch noch alle!“ Welches davon er heute Abend zur Faschingsparty im eigenen Saal tragen wird, weiß er noch nicht. Am besten gefallen hat ihm der Anzug der „Goldjungs“ aus dem Jahr 2011: „Das ist mein absolutes Lieblingskostüm, das war wirklich der Hammer!“