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Gastronomie auf dem Land Ganderkeseer Gasthof Sievers investiert in neue Küche

Von Birgit Stamerjohanns | 21.12.2018, 13:55 Uhr

Gastwirt Olaf Sievers führt den Gasthof „Zur Linde“ in Grüppenbühren in vierter Generation. Spargel geht immer, das Interesse an Kohlfahrten ist leicht rückläufig. Mit einer neuen Küche geht es jetzt in die Zukunft.

Der Tag hat schlecht angefangen für Olaf Sievers. Erst die Sache mit der Waschmaschine, die nun endgültig ihren Geist aufgegeben hat. Kaum hat er eine neue gekauft und nach Hause geschafft, stellt sich heraus, dass eine Mitarbeiterin fehlt – irgendetwas ist mit dem Taxi schief gegangen. Also muss Sievers wieder ins Auto springen und die Kollegin holen, denn die Zeit wird langsam knapp. Am Nachmittag steht noch eine Beerdigung an, in der Küche schmieren Mitarbeiterinnen bereits fleißig Schnittchen. Außerdem treffen sich heute die „Plattschnacker“, und auch sie wollen bewirtet werden. Olaf Sievers` Schwester Antje deckt die Tische im Gastraum ein. „Für Freitag hatte ich auch schon eine Anfrage für eine Beerdigung“, so Sievers, „da musste ich aber absagen, denn im Saal wird Silberhochzeit gefeiert.“

Ganze Familie hilft mit

Seit zehn Jahren ist Olaf Sievers der Chef im Gasthof „Zur Linde“, besser bekannt als Gasthof Sievers in Kühlingen. Der 45-Jährige hat den Betrieb von seinem Vater Heinrich Johann Sievers übernommen. „Mein Sohn führt den Betrieb in vierter Generation“, sagt Sievers Senior. Er selbst hilft aber noch, wo er kann – in der Küche, im Service, am Zapfhahn, am Telefon. „Der Laden läuft, weil wir als Familie dahinterstehen“, so Olaf Sievers, „Es ist immer jemand hier und ansprechbar.“ Wenn er am Wochenende nachts lange arbeiten muss, deckt der Vater am nächsten Morgen schon einmal die Tische ein. Auch Mutter und Schwester helfen mit, Sievers` Ehefrau Dörthe an den Wochenenden ebenfalls.

Rücksicht auf Allergien

Das Telefon klingelt, Olaf Sievers` Vater nimmt ab, reicht aber schnell an den Junior weiter mit dem vielsagenden Hinweis: „Weihnachten. Allergien.“ Die Anruferin verträgt kein Gluten und ist außerdem Veganerin – zu Weihnachten eine echte Herausforderung für jeden Gastwirt. Aber der Grüppenbührener bleibt gelassen: „Das ist gar kein Problem, Sie kommen einfach zu uns an die Küchentür, dann machen wir eine individuelle Beratung und überlegen, was wir Ihnen Gutes tun können.“ Tofu hat Olaf Sievers stets griffbereit in der Küche, und auch auf Lebensmittelallergien muss er immer öfter Rücksicht nehmen.

Hirschkalb, Rouladen, Fisch

In die „Linde“ kommen alle, die es gern klassisch-deftig mögen. Weihnachten beispielsweise servieren Olaf Sievers und sein Team Hirschkalb, Gänse- und Entenbrust, Rouladen, Medaillons, Fisch. „Bestellungen für die beiden Weihnachtsfeiertage nehmen wir immer erst ab dem 1. September entgegen“, erklärt Heinrich Johann Sievers. Im vergangenen Jahr waren die Plätze für die Feiertage bereits am 5. September komplett ausgebucht. Nach Weihnachten kommen dann die Kohlfahrten – wie in vielen anderen Gasthöfen der Umgebung auch bei Sievers mit Musik und Tanz. „Da geht das Interesse allerdings leicht zurück“, hat der Gastronom beobachtet, „wo die Leute früher zwei oder drei Kohlfahrten mit Freunden oder Vereinen gemacht haben, machen sie heutzutage nur noch eine.“ Ab Ende Februar hat Familie Sievers dann ein paar Wochen lang Stint im Angebot, bevor es langsam auf die Konfirmationszeit zugeht. In diesem Jahr wird der eigene Junior seine Konfirmation im Gasthof feiern. Im Frühjahr und Frühsommer dreht sich dann in Kühlingen alles um den Spargel. Hochzeiten und runde Geburtstage haben in der Linde immer Saison. Die Gäste kommen vor allem aus Ganderkesee, Delmenhorst und Bremen. Das Auftragsbuch mit den Reservierungen für das Jahr 2019 sind bereits jetzt schon gut gefüllt.

Söhne mit anderen Plänen

Damit es auch in Zukunft gut läuft in Kühlingen, baut Olaf Sievers jetzt seine Küche um. Das Personal muss sich dann zwar an neue Laufwege gewöhnen, dafür wird es aber sehr modern im Hause Sievers. „Die neue Küche soll dann auch die nächsten 20 Jahre halten“, erklärt der 45-jährige Gastronom. Also praktisch bis zu seiner eigenen Rente. Und dann? Die Zukunft des Betriebs ist offen, seine eigenen beiden Söhne sind noch jung, haben aber eigentlich andere Pläne. Über eine mögliche Nachfolge will sich Olaf Sievers im Moment allerdings noch keine Gedanken machen – und er hat auch keine Zeit dazu: Die ersten Gäste kommen.