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Gedenkstunde zum Kriegsende Bokelmann warnt in Hude vor rechten Demagogen

Von Thomas Deeken | 29.04.2015, 12:28 Uhr

„Wir Alten wollen und müssen dafür sorgen, dass die Toten nicht vergessen werden. Und wir rufen besonders unsere jungen Menschen auf: Sorgt für Frieden.“ Diesen Appell hat Hermann Bokelmann, Kreisvorsitzender der SPD 60plus, am Dienstagabend auf dem Friedhof in Hude an die Nachkriegsgenerationen gerichtet.

In einer Gedenkveranstaltung an den Soldatengräbern erinnerte Bokelmann an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 70 Jahren und an 29 Soldaten aus Hude und Umgebung, die in den letzten Kriegstagen noch ums Leben kamen – zu einer Zeit, als in anderen Teilen des Landkreises die Kämpfe schon längst eingestellt waren.

Bokelmann war im Mai 1945 16 Jahre alt. Er gehöre damit zu den Letzten, die den Krieg bewusst miterlebten und aus persönlicher Erfahrung warnen und mahnen können, sagte der SPD-Politiker. Er erinnerte an seine Jugendzeit, als die jungen Leute von den Nazis ideologisch verführt und manipuliert wurden, und warnte die Menschen von heute davor, den Weg der rechten Demagogen zu wählen. „Wer heute meint, dass er mit Pegida nur mitlaufen kann, der irrt“, betonte der Harpstedter, der den Pegida-Anhängern vorwarf, eine Mitschuld an Menschenhass und Fremdenfeindlichkeit zu haben.

Mit großer Sorge blicke der 60plus-Vorsitzende außerdem auf die immer größer werdenden Flüchtlingsströme und auf die Situation in der Ukraine. Er forderte die Völkergemeinschaft auf, das Wettrüsten zu beenden, die Produktion von Waffen massiv einzuschränken und den Handel mit Waffen zu unterbinden. „Wir wollen keinen Krieg, wir wollen ein friedliches Europa“, sagte Bokelmann.

Der stellvertretende Huder Bürgermeister Peter Zwiener (SPD) erinnerte daran, dass im Krieg insgesamt 438 Soldaten aus Hude gefallen beziehungsweise vermisst seien. Außerdem seien zwischen dem 26. und 28. April 1945 neben den 29 Soldaten auch zehn Zivilisten und fünf russische und polnische Zwangsarbeiter getötet worden.

Jutta Schröder, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins, sagte, sie denke auch an die vielen Mütter, die im Krieg großes Leid ertragen mussten. Und wenn sie heute die Fernsehbilder von Kriegen und Flüchtlingen sehe, mache sie das hilflos und traurig. Der katholische Pfarrer Norbert Steffen blickte vor allem nach vorn. „Wir müssen zur Versöhnung bereit sein. Der Gedanke der Versöhnung muss sich bei den Menschen, in den Familien und in den Vereinen, verfestigen.“ Man müsse sich gegenseitig helfen und einander wertschätzen.

Zum Abschluss der Gedenkveranstaltung reichten sich alle die Hände und gelobten still, alles zu tun, um Gewaltherrschaft und Krieg zu verhindern.