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Geflügelpest im Landkreis Oldenburg Veterinäramt gibt Geflügelhaltern die Zügel frei

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 27.04.2017, 22:14 Uhr

Seit Wochen hat es keinen neuen Ausbruch der Geflügelpest gegeben. Der Landkreis Oldenburg will Freilandhaltung und neue Einstallungen wieder zulassen.

„Das war eine ganz besondere Bedrohungslage“: Dr. Carsten Görner, Leiter des Veterinäramts im Landkreis Oldenburg, blickt auf vier Monate harter Arbeit zum Eindämmen der Geflügelpest zurück. Jetzt hat er im Amtsblatt die Aufhebung von vier Beobachtungsgebieten, Flächen in den Gemeinden Großenkneten und Wardenburg betreffend, verkünden lassen. Die Pflicht, sämtliches Geflügel im Landkreis Oldenburg unter Dach zu halten, soll am Sonntag, 30. April, enden. Und die letzten drei Beobachtungsgebiete auf Kreisgebiet, ebenfalls in Großenkneten und Wardenburg, sollen am Tag darauf aufgehoben werden, wenn keine neuen Fälle dazwischenkommen.

Verbreitungswege abgeschnitten

„Wir haben mit sieben direkt betroffenen Betrieben noch ziemlich viel Glück gehabt“, resümiert Jürgen Seeger, der Vorsitzende des Kreislandvolks Oldenburg, die Geflügelpest-Welle in der Region seit Heiligabend 2016. Das Töten zehntausender Puter in den befallenen Betrieben und – in der zweiten Geflügelpest-Welle ab März – das Verbot, neue Küken in die Ställe zu bringen, habe die Besatzdichte verringert und damit auch die Gefahr, dass sich die Viren von Stall zu Stall verbreiten.

Weniger Tiere in den Stall

Der Sprecher der hiesigen Landwirte hält nichts davon, die Besatzdichte durch den Abriss von Ställen zu verringern. „Die Halter haben investiert, und die Investition rentiert sich erst richtig, wenn die Ställe abgeschrieben sind“, erklärt Seeger. Weniger Tiere pro Stall, damit könne er sich eher anfreunden.

Putenhalter bleiben auf Schaden sitzen

Seeger rückt die Aussage von Landwirtschaftsminister Christian Meyer ins rechte Licht, die Landwirtschaft sei für die Folgen der Geflügelpestwelle mit 40 Millionen Euro vom Land unterstützt worden: „Das Geld ist meines Wissens ganz oder fast ganz an Erzeuger gegangen, die wegen der Aufstallungspflicht keine Eier aus Freilandhaltung verkaufen konnten.“ Bei den betroffenen Putenhaltern sei kein Geld vom Land angekommen: „Sie erhalten 80 bis 85 Prozent Entschädigung von der Versicherung und müssen auch noch damit klarkommen, dass sie längere Zeit keine Puten einstallen durften.“

Veterinäramt liefert Wissenschaft Daten zu

Kreisveterinär Görner ist überzeugt, dass die Geflügelpest ein Dauerproblem geworden ist. In seinem Amt und in denen seiner Kollegen seien viele Daten gesammelt worden, und es sei Aufgabe des Friedrich-Löffler-Instituts daraus im Konzert mit den ebenfalls betroffenen europäischen Nachbarn Strategien zu entwickeln. „Ich bin nur am Rande eingebunden und kann beispielsweise die Frage einbringen, ob es nötig ist, wegen vier befallener Legehennen einer Kleinsthaltung in großem Umkreis eine ganze Branche lahmzulegen“, sagt er.