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Gegenmaßnahmen geplant Nitrat-Grenzwerte im Landkreis Oldenburg oft überschritten

Von Thomas Deeken, Thomas Deeken | 04.07.2018, 10:19 Uhr

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Deutschland ist vom Europäischen Gerichtshof wegen zu hoher Nitratwerte im Grundwasser verurteilt worden. Auch im Kreis Oldenburg werden in der Mehrzahl der Messstellen die Grenzwerte überschritten. Der Kreislandvolkverband setzt auf die Zusammenarbeit und einen „breit aufgestellten Dialog“ mit dem Landkreis Oldenburg, den Wasserversorgern und den einzelnen Kommunen.

„Die landwirtschaftlichen Betriebe setzen sich intensiv mit der Düngeverordnung auseinander. Das lassen sie auch nicht schleifen.“ Das hat Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbands Oldenburg, auf dk-Anfrage betont, nachdem der Europäische Gerichtshof Deutschland wegen zu hoher Nitrat-Werte im Grundwasser verurteilt hatte. Der Gerichtshof bezog sich zwar auf die Düngeverordnung in der Fassung von 2012. Doch auch nach der verschärften Fassung der Düngeregelungen gibt es nach wie vor keine Entwarnung und an vielen Grundwassermessstellen erhöhte Nitratwerte, sagt auch Gerrit Finke vom Amt für Bodenschutz und Abfallwirtschaft im Landkreis Oldenburg.

Hohe Werte in Klein Köhren

Bei den Messungen in damals 40 Brunnen im Landkreis Oldenburg wurde 2014 insgesamt 22 Mal der Grenzwert von 50 Milligramm pro Liter (mg/l) überschritten. Bei den jüngsten Messungen 2017 mit inzwischen 56 Brunnen, die flächendeckend verteilt sind, wiesen 30 Messstellen eine Überschreitung des Grenzwerts auf, informiert Finke. Dabei finden sich beispielsweise Werte von 128,4 mg/l in der Messstelle „B1 flach“ in Bookholzberg oder 87 mg/l in „GWM Steinkimmen“, aber auch gute Werte wie unter 1 mg/l in „SO39 Schönemoor“ oder „DEL 213“ in Ganderkesee. Hohe Werte gibt es in anderen Kommunen beispielsweise in Haschenbrok (140 mg/l) in der Gemeinde Großenkneten, in Charlottendorf (180 mg/l) in der Gemeinde Wardenburg und in Klein Köhren (280 mg/l) in der Samtgemeinde Harpstedt. Kommentar von Finke: „Das ist ganz deutlich auf intensive Landwirtschaft zurückzuführen.“

Reichen Regelungen aus?

Gleichwohl weiß der Experte des Landkreises, dass sich die Landwirte im Kreis durchaus an die Düngeregelung halten. Es stelle sich daher die Frage, ob die aktuellen Regelungen überhaupt ausreichen.

Gemeinsames Projekt mit dem Landkreis

Der Vorsitzende des Kreislandvolkverbands weiß, das die Nitratbelastungen für Grund und Boden reduziert „und dass Fragestellungen in einem überschaubaren Zeitraum gelöst werden müssen“. Im Herbst vergangenen Jahres habe der Verband gemeinsam mit dem Landkreis das Projekt zur Nitrattiefensondierung ins Leben gerufen. Erste Ergebnisse, um das Problem Nitratbelastung lösen zu können, erwarte er im Herbst dieses Jahres. Insgesamt sei das Projekt auf fünf Jahre angelegt. Zusätzlich setzt Wolff auf einen „breit aufgestellten Dialog“ mit den Wasserversorgern und den einzelnen Kommunen.

Wolff: Landwirt weiß, dass er in der Pflicht ist

„Wir sind bei dieser Problematik sehr sensibel. Und der Landwirt ist auch bewusst, dass er in der Pflicht ist“, sagt der Chef des Kreislandvolkverbands und weist darauf hin, dass zahlreiche Betriebe freiwillige Beiträge leisten, um den überhöhten Nitratwerten zu begegnen. Wolff betont aber auch, dass es wichtig sei, dass die Betriebe des Landkreises ihren Bestand halten und die Familien von ihren Einkommen leben können.

OOWV setzt auf Kooperation

„Schuldzuweisungen haben nunmehr in der Diskussion um die Zukunft der Trinkwasserressourcen keinen Platz. Jetzt muss für den Grundwasserschutz gehandelt werden“, sagt Sven Ambrosy, Vorsteher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbands (OOWV). Allein auf die Wirkung der neuen Düngeverordnung zu warten, werde voraussichtlich nicht ausreichen. Daher setze der OOWV voll auf die Kooperation mit der Landwirtschaft. Diese regionalen Kooperationen müssten gestärkt werden, „damit unsere Vertragspartner aus der Agrarwirtschaft noch gezieltere Maßnahmen für den Grundwasserschutz ergreifen können“. Das Ziel: „Wir brauchen Lösungen, die landwirtschaftlichen Betrieben ein Überleben im harten Wettbewerb ermöglichen, den Grundwasserschutz aber voranstellen“, so Ambrosy.

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