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Gemeinde recycelt Grundstück In Ganderkesee fehlt Grund für sozialen Wohnungsbau

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 08.12.2016, 17:35 Uhr

Bezahlbare Wohnungen bleiben wohl auch 2017 in Ganderkesee ein knappes Gut. Mit dem Verkauf eines gemeindeeigenen Grundstücks und einer Bauverpflichtung geht die Verwaltung jetzt neue Wege.

„Jahrzehntelang hat es keine ernst zu nehmenden Anstrengungen für sozialen Wohnungsbau gegeben“, beklagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Werner Brakmann. „Das Problem ist, dass wir nicht wie andere Gemeinden genügend eigenes Land haben, das wir bei Bedarf für den sozialen Wohnungsbau heranziehen können“, sagt er.

Vorschlag: Grundstücke „auf Vorrat“ kaufen

Darum habe die SPD-Fraktion jetzt beantragt, dass die Verwaltung in Zeiten, in denen die Zinsen für langfristige Kredite auf einem historischen Tiefstand stehen, Grundstücke „auf Vorrat“ erwerben soll – auch für den sozialen Wohnungsbau (dk berichtete).

Erstes gemeindeeigenes Grundstück wird wiederverwendet

Zunächst will die Verwaltung aber ein gemeindeeigenes Grundstück an der Straße „Am Acker“ für günstiges Wohnen „recyceln“. Es soll mit Bauverpflichtung an Investoren verkauft werden. Damit wird ein zurückliegender Beschluss des Verwaltungsausschusses umgesetzt.

Vorhandene Gebäude auf der 410 Quadratmeter großen Fläche wurden bereits abgerissen. Das Grundstück soll einen Mindestverkaufserlös von 125 Euro pro Quadratmeter erbringen. Was und wie gebaut werden darf, legt die Verwaltung bis ins Detail fest.

Zweifamilienhaus soll gebaut werden

Das kleine Areal ist mit einem Zweifamilienhaus in eingeschossiger Bauweise mit ausgebautem Dachgeschoss zu bebauen. Auch die Wohneinheiten und Wohnungsgrößen werden vorgeschrieben. Die Gemeinde erhält das Recht zur Erstanmietung mit der Erlaubnis zur Untervermietung für die Dauer von 30 Jahren. Mietet sie nicht an, darf nur an Personen mit einem Berechtigungsschein vermietet werden.

SPD: „Recycling gleicht einem Modellversuch“

„Das ist ein ,Versuchsballon‘, mal sehen, wie weit er kommt“, urteilt Brakmann über das Experiment.

Wie sozialer Wohnungsbau auch in Zeiten steigender Kosten durch den von Niedrigzinsen immer weiter befeuerten Bauboom machbar ist, sollen Experten der Politik bald erläutern.

GSG Oldenburg stellt Wohnbau vor

Die Gemeinde hat die GSG Oldenburg eingeladen, den Rat zu Beginn des neuen Jahres in nichtöffentlicher Sitzung über die Möglichkeiten zu unterrichten. Mit Projekten des sozialen Wohnungsbaus kennt sich die die GSG Oldenburg im Kreis aus: in Wildeshausen, Heidloge, Harpstedt und Neerstedt ist sie derzeit aktiv, zusätzliche Projekte sind angedacht.

CDU will Markt für Private öffnen

Mit der SPD-Idee, Grundstücke aufzukaufen, um sie später zu vermarkten, kann sich auch die CDU-Fraktion anfreunden, dies jedoch unter Vorbehalt: „Wir sollten dann aber nicht nur an größere Investoren verkaufen, sondern auch Privatpersonen, die tragfähige Ideen für sozialen Wohnungsbau haben, den Zugang ermöglichen“, betont die CDU-Fraktionschefin Cindy Klüner.