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Gemeindebücherei Ganderkesee Das sind die ersten Gedichte aus dem Poesiebriefkasten

Von Bettina Dogs-Prößler | 19.12.2018, 16:51 Uhr

Seit vier Monaten hat Ganderkesee einen Poesiebriefkasten. Zeit, einen Blick darauf zu werfen, was Hobbydichter bisher eingeworden haben.

„Jeder Schmerz zieht seine Kreise, gleich einem Stern, der ins Wasser fällt. Beginnt ganz still die Kummerreise, bis irgendein Ufer ihn in Fängen hält.“ Es sind nachdenkliche Worte, die Autor Manfred Friske wählt, als ihn die Stimmung des Altweibersommers erfasst.

Ganz anders klingt da Gerald Weigel, der sich, ganz in Ganderkeseer Tradition, einen Reim auf Fasching macht: „Wir sind die durchgeknallten Jecken, und das ist alles, was wir woll’n, wir brauchen uns nicht zu verstecken vor Düsseldorf und Mainz und Köln.“

Gedichte zu den verschiedensten Themen

Was in den vergangenen vier Monaten den Weg in den neuen Ganderkeseer Poesiebriefkasten gefunden hat, ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Lustiges und Zeilen, die zum Nachdenken anregen, Besinnliches oder Worte, die zu Tränen rühren. Es geht um Liebe, Krieg und Leben, um Märchen und – um den Ganderkeseer Fasching. „Es gibt immer noch viele, die schreiben“, sagt Sigrid Kautzsch, Leiterin der Ganderkeseer Gemeindebücherei. Und die ihre Zeilen auch gerne mit anderen teilen.

Seit zum Eingang der kommunalen Bücherei ein hölzerner Briefkasten für Gereimtes und Gedachtes aller Art gehört, sind die Arbeitstage von Kautzsch immer wieder mit Poesie gespickt. Seit August hängt direkt vor der Tür ein sogenannter Poesiebriefkasten, dem alle Voll- und Teilzeitlyriker der Region ihre Zeilen schicken können – und dem einige ihre Zeilen auch schon anvertraut haben. „Manches kam mit der Post, manches wurde per Hand eingeschmissen“, zieht Kautzsch eine erste Bilanz. Und: „Es sind nicht immer nur die Senioren, die schreiben.“

Idee stammt aus München

Die Idee zu dem Poesiebriefkasten in Ganderkesee hatte Edgar Ruhm von der Ländlichen Erwachsenenbildung nach einer Reise nach München, wo private, lyrische Beiträge bereits seit 2013 gesammelt werden. Vor fünf Jahren installierte dort die Künstlerin Katharina Schweißgut den ersten Poesiebriefkasten im Land, mehr als 1000 Beiträge sind seither bei ihr eingegangen. Eine erste Auswahl an Stücken wurde jetzt in einem Gedichtband veröffentlicht.

Wieder zu Hause in Ganderkesee, griff Ruhm die Idee auf für ein Projekt für seine Einrichtung und fand schließlich in der Leiterin der Gemeindebücherei eine begeisterte Unterstützerin.

So soll es weitergehen

„Bis wir allerdings einen Gedichtband veröffentlichen können, muss der Poesie-Briefkasten noch ein bisschen bekannter werden“, sagt Kautzsch, die für die regelmäßige Leerung zuständig ist. In verschiedenen Einrichtungen wie etwa Seniorenheimen soll für die poetische Anlaufstelle nun geworben werden, außerdem hat Kautzsch ein Projekt mit der Grundschule Lange Straße auf den Weg gebracht. „Hier sollen sich Schüler im Frühjahr mit dem Thema Poesie beschäftigen und im Deutschunterricht gezielt etwas für unseren Briefkasten schreiben“, schildert sie.

Bislang sind rund 20 Gedichte – nicht nur aus Ganderkesee – eingegangen, „dazu haben wir einiges an positivem Feedback bekommen“, so Kautzsch. Gemeinsam mit Ruhm hofft sie nun auf weitere Beiträge, die später einmal bei einer Lesung oder in einem Gedichtband öffentlich vorgestellt werden könnten. „Ich kann mir da so einiges vorstellen“, sagt Kautzsch.