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Gemischte Reaktionen Ganderkeseer Senioren bald auch mit der Rikscha auf Tour?

Von Lennart Bonk, Lennart Bonk | 28.11.2017, 11:08 Uhr

Ein Rikscha-Projekt für Senioren sorgt aktuell in Köln für Aufsehen. Ganderkeseer Institutionen und Interessenverbände für Senioren stehen dem Projekt offen gegenüber. Ob es in der Gemeinde Anwendung finden könnte, wird jedoch bezweifelt.

Mobilität im Alter ist für Senioren ein allgegenwärtiges Thema. In Köln sorgt derzeit ein besonderes Projekt für Schlagzeilen, das sich dieser Materie annimmt. In der Domstadt werden Bewohner von Altenheimen kostenlos mit der Fahrradrikscha durch die Stadt kutschiert. Dabei sollen die Senioren in den Genuss von regelmäßigen Ausflügen kommen. Finanziert wird das Projekt aus den Kassen der Stadt Köln. Ein ähnliches Konzept wurde im vergangenen Jahr in Essen auf die Beine gestellt. Dort machen Langzeitarbeitslose die älteren Semester mit den Fahrradtaxis mobil.

Seniorenbeirats-Chef steht Projekt positiv gegenüber

Institutionen und Verbände für Senioren in der Gemeinde Ganderkesee reagieren auf das Projekt mit Skepsis aber auch mit Interesse. Jürgen Lüdtke, Vorsitzender des Seniorenbeirates der Gemeinde Ganderkesee, steht der Idee offen gegenüber: „Grundsätzlich ist alles, was Senioren mobil macht und am gesellschaftlichen Leben teilnehmen lässt, positiv zu bewerten.“ Allerdings gebe es bei dem Projekt auch eine Menge Punkte zu beachten. Dazu gehören für die Lüdtke unter anderem die weiten Fahrtwege im ländlich geprägten Ganderkesee. Mal eben von A nach B radeln, sei da nicht so einfach. Das wirft auch die Frage auf, wer die rüstigen Passagiere mit Muskelkraft durch die Gemeinde chauffiert. „Da sitzen meist junge Männer mit Muskeln am Lenker“, erklärt der Vorsitzende des Seniorenbeirates mit Blick auf die Rikscha-Fahrer, die in Großstädten ihre Dienste anbieten. In Köln übernehmen Ehrenamtler das Strampeln. „Es gibt zwar viele Fragen zu beantworten, aber ich stehe dem Projekt positiv gegenüber, weil es die Mobilität der Senioren fördert“, betont Lüdtke.

VdK begegnet Projekt mit Skepsis

Einen eher skeptischen Blick auf die Idee wirft Dieter Strodthoff, Vorsitzender des VdK-Ortsverbandes Ganderkesee. Es sei zwar alles schön, was zur Mobilität der Senioren beiträgt, jedoch sei der Komfort der Fahrradtaxis eher begrenzt. „Ich stelle mir das alles sehr unbequem vor“, meint Strodthoff. Er plädiert dafür Angebote wie beispielsweise ein Ruftaxi oder den Bürgerbus weiter zu subventionieren. Zumal gerade der Ein- und Ausstieg bei einer Rikscha eine – im wahrsten Sinne des Wortes – große Hürde für die betagten Passagiere darstellt.

Wohnpark am Fuchsberg zeigt sich interessiert

Den Ein- und Ausstieg in das Gefährt sieht Henrik Kroog als einziges Problem an der Geschichte. Der Pflegedienstleiter der Seniorenresidenz Wohnpark am Fuchsberg ist von dem Projekt angetan. „Wenn das Angebot in Ganderkesee vorhanden wäre, dann wäre es auch für unsere Bewohner interessant“, meint Kroog. Gerade mit Fokus auf das Thema Tagesausflug könnte den Senioren damit ein außergewöhnliches Angebot offeriert werden. Ansonsten seien die Senioren des betreuten Wohnangebotes mit verschiedenen „Mobilmachern“, wie Einkaufsfahrten in den Ort und verschiedenen Ausflügen gut versorgt. „Das Rikscha-Projekt wäre allerdings ein besonderes „Bonbon“ für die Bewohner“, meint der Pflegedienstleiter.

Freiwilligen-Forum bezweifelt Umsetzung

Dass es sich bei dem Projekt um eine tolle Sache handelt, findet auch Christa Wachtendorf vom Freiwilligen-Forum „Mach mit“. Allerdings ist sie der Auffassung, dass das Projekt nicht nach Ganderkesee passt: „Die langen Wege würde doch niemand fahren wollen.“ Derzeit zählt die Gemeinde 20 „ganz aktive Seniorenbegleiter“ sowie etliche weitere Ehrenamtler, die unter anderem auch bei Ausflugsreisen für Senioren mitwirken. „Es wird hier schon einiges auf die Beine gestellt“, bilanziert Wachtendorf mit Blick auf die Mobilität im Alter in Ganderkesee.