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Gerdts-Schiffler liest in Ganderkesee Profiler und Rechtsmediziner helfen bei Recherche

Von Katja Butschbach | 13.12.2015, 13:00 Uhr

Über reale Verbrechen und ihre Recherchen hat die Bremer Krimi-Autorin Rose Gerdts-Schiffler am Freitag bei einer Lesung in Ganderkesee gesprochen. Sie stellte ihr neuestes Buch „Dornenkinder“ vor.

Draußen starker Regen, drinnen Kerzenlicht: Unter für eine Krimilesung geradezu idealen Voraussetzungen hat die Bremer Autorin Rose Gerdts-Schiffler ihre Zuhörer am Freitagabend im KulturHaus Müller immer mehr in ihren Krimi „Dornenkinder“ hineingezogen. Immer beklemmender wurde die Atmosphäre – auch angesichts dessen, dass sich viele Aspekte von Rose Gerdts-Schiffler Romanen so ähnlich in der Wirklichkeit finden lassen.

Reale Fälle sind Anregung

Reale Fälle sind für die Autorin Anregung für ihre Bücher: Vor sieben Jahren begann sie mit dem Schreiben von Krimis. Lange war sie Gerichts- und Polizeireporterin in Bremen: „Das war ein Job, den ich erst nicht haben wollte“, berichtete sie. Erst ihre Wohngemeinschaft schaffte es, sie zu überreden, die Stelle doch anzunehmen. „Nach einem Jahr war ich fasziniert – nicht von dem Verbrechen, sondern davon, wie es zum Verbrechen kommt“, sagte die Autorin. Sie habe immer mehr Zugang zu Fachleuten bekommen – unter anderem zu Rechtsmedizinern und Profilern.

Fachtagung gibt Anstoß für erstes Buch

Eine Fachtagung brachte sie schließlich dazu, ihr erstes Buch „Gedankenmörder“ zu schreiben, in dem es um einen Frauenmörder geht. Sie hörte von dem Fall eines Sadisten, der mehrere Frauen ermordet hatte, von seiner Ehefrau aber als liebevoller Mann beschrieben worden sei. In seiner Jugend habe er Tiere zu Tode gequält – ein Warnsignal, das damals aber von niemandem beachtet wurde. Als zu ihrer Zeit als Journalistin schließlich eine Meldung über brutal getötete Tiere auf ihrem Schreibtisch landete, war dies der Punkt, an dem sie sagte: „Darüber schreibe ich ein Buch.“

Versteckte Menschen in Gröpelingen

Auch die Situation der in „Dornenkinder“ beschriebenen versteckten Menschen, Armutsflüchtlinge aus Bulgarien und Rumänien, die in Gröpelingen „unter unsäglichen Umständen“ in Abbruchhäusern leben und für zwei bis drei Euro in der Stunde als Tagelöhner ihr Geld verdienen, existiert so tatsächlich. Gerdts-Schiffler verfasste mehrere Reportagen über diese Menschen und entschied sich dann, das Buch über sie zu schreiben. In ihrem Krimi besucht eine Lehrerin ein Kind der Armutsflüchtlinge zuhause – und wird wenig später tot aus der Weser geborgen.

Wie eine solche Leiche aussieht, habe ihr eine Rechtsmedizinerin erläutert. Ein Angebot, bei einer Obduktion dabei zu sein, lehnte sie allerdings ab.

Vorbild Bremer Mordkommission

Wie die Ideen für ihre Fälle ist auch ihr Polizeibeamter Frank Steenhoff dem wirklichen Leben nachempfunden: Mittlerweile, so die Autorin, vermuteten mehrere Beamte der Bremer Mordkommission, das Vorbild für Steenhoff gewesen zu sein.

Mit dem Krimi erkundet die Autorin auch ihre eigene Familiengeschichte: Unter ihren Vorfahren sind Leuchtturmwärter der Insel Neuwerk – und so lässt sie Kommissarin Navideh Petersen auf die Insel reisen und konfrontiert sie mit den Eigenheiten der Menschen auf der Insel.

Ihr nächstes Buch will die Autorin, die Vollzeit arbeitet und an ein, zwei Abenden in der Woche, am Wochenende und im Urlaub schreibt, über Salafismus schreiben. „Man muss schon ein bisschen manisch sein“, sagt die Bremerin, die etwa ein Jahr an einem Buch sitzt.

Die Lesung war bereits die zweite Kriminacht in Ganderkesee – ein Konzept, das Dr. Wiebke Steinmetz von der regioVHS gerne fortsetzen möchte.