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Gericht gewährt Abzug von acht Monaten Drei Jahre Haft für ehemaligen Stenumer Klinikchef

Von Thorsten Konkel, Thorsten Konkel | 16.06.2017, 16:12 Uhr

Der ehemalige Geschäftsführer der Fachklinik Stenum ist zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Absitzen wird er davon nur zwei Jahre und vier Monate. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Wegen Betrugs, Untreue und Insolvenzverschleppung ist der ehemalige Geschäftsführer der Orthopädieklinik Stenum jetzt vom Schöffengericht des Delmenhorster Amtsgerichts zu einer Haftstrafe von drei Jahren verurteilt worden. Acht Monate davon hat das Gericht in Form einer „Vollstreckungslösung“ für als bereits verbüßt erklärt.

Pannen der Ermittlungsbehörden

Grund für die Reduzierung der Haft sind laut Gericht Pannen der Ermittlungsbehörden. Vom Zeitpunkt der Tat bis zur Anklageerhebung sei zu viel Zeit verstrichen, erläuterte Gerichtssprecher Thomas Pünjer. Rechtskräftig ist der Richterspruch noch nicht.

Rechtsmittel möglich

Der frühere Klinikchef kann noch innerhalb einer Woche Rechtsmittel einlegen. Bei der ersten Hauptverhandlung hatte der jetzt Verurteilte einen Deal mit dem Delmenhorster Schöffengericht ausgeschlagen: Statt eines Geständnisses sowie zwei Jahre und vier Monate Haft ohne Bewährung wollte der Nachfolger des ehemaligen Klinik-Verwaltungsdirektors Fredo Garbade lieber in die große Beweisaufnahme einsteigen. Der Angeklagte hatte schon im November 2009 in Köln wegen gewerbsmäßiger Untreue in 40 Fällen eine zweijährige Bewährungsstrafe erhalten und anschließend trotzdem mehrmals gegen Bewährungsauflagen verstoßen.

Insolvenz verschleppt

In Stenum soll der Angeklagte in drei Fällen Pfändungsbeschlüssen in einer Gesamthöhe von mehr als 40.000 Euro nicht nachgekommen sein und zu Lasten der Klinik ungenehmigt ein Darlehen in Höhe von 20.000 Euro aufgenommen und nie zurückbezahlt haben. Darüber hinaus, so ein weiterer Vorwurf, habe er, ohne tatsächlich eine Leistung erbracht zu haben, vom Krankenhaus-Verein 135000 Euro für Beratertätigkeiten erhalten. Auch habe er es versäumt, Ende 2011/Anfang 2012 für die Klinik den Insolvenzantrag zu stellen.