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Gericht verweigert Bewährung Betrüger aus Ganderkesee landet endgültig im Gefängnis

Von Ole Rosenbohm | 23.10.2017, 21:37 Uhr

Im Fall eines betrügerischen Einbauküchenverkäufers hat das Landgericht Oldenburg am Montag nach vier Prozessen vor drei Gerichten ein letztes Urteil gefällt: zwei Jahre und fünf Monate Haft für den 51-Jährigen aus Ganderkesee.

Nach Amtsgericht (Urteil: zwei Jahre, sechs Monate) und Landgericht (zwei Jahre, fünf Monate) hatte das Oberlandesgericht in der Revision Teile des Urteils verworfen und es an das Landgericht zurückgegeben. Im Ergebnis aber hielt das Urteil.

Der Angeklagte hatte seine Taten aus den Jahren 2013 bis 2015 früh in den Ermittlungen zugegeben. In 27 Fällen soll er dabei Geld unterschlagen haben, in elf ging es um Betrug. Die Schadenssumme beträgt fast 150.000 Euro.

Angeklagter galt als Verkaufslegende

Der Mann galt als sehr guter Küchenverkäufer, ja als Verkaufslegende. Zum Teil kam er auf Umsatzzahlen von über 100.000 Euro im Monat – viel für die Firmen, mit denen er arbeitete. In die Tasche stecken konnte er sich das Geld, wenn Kunden in bar bezahlten – meist vier-, einige Male sogar fünfstellige Summen.

Durch seine Machenschaften ging ein Ganderkeseer Unternehmen, an dem er sogar beteiligt war, in die Insolvenz. Schaden: fast 90.000 Euro. Danach betrog er ein Küchenstudio um rund 50.000 Euro, schaffte es aber dort, weiter Vertrauen zu genießen, wurde als Verkäufer angestellt, zweigte aber doch fast ein Jahr wieder Umsätze ab.

Schulden mit Ergaunertem beglichen

Mehrmals erklärte der Mann, sich kein Leben in Luxus finanziert zu haben. Ein hohes Minus in seiner persönlichen Bilanz brachte er schon ins Ganderkeseer Unternehmen mit, er verwendete die ergaunerten Einnahmen für offene Schulden. Ein Loch stopfte das nächste, ein Schneeballsystem, eine Endlos-Spirale.

Damit weiter Geld floss, gewährte er Kunden hohe Rabatte. Er stand wohl unter Druck, sprach vor Gericht von Bedrohungen durch Schläger. Ohnehin hätte er bereits die Höchststrafe bekommen: hohe, kaum rückzahlbare Schulden, eine einst hohe Reputation in der Gesellschaft weg.

Gericht attestiert erhebliche kriminelle Energie

Vor dem Landgericht kämpfte der bisher nicht vorbestrafte Mann jetzt das letzte Mal für eine Bewährung. Für die legte sich sogar sein aktueller Arbeitgeber ins Zeug, versprach ein Darlehen zur Wiedergutmachung, falls der Angeklagte um den Knast herumkommen könnte. Das Gericht sah seine „tragische“ Geschichte, verweigerte sich aber: Die Zahl der Fälle, die Schadenshöhe und die erhebliche kriminelle Energie bei der Durchführung sprachen gegen ihn.