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Geringste Bodenfeuchte seit 1961 Bauern in Ganderkesee beklagen große Dürre

16.06.2015, 18:47 Uhr

Mais friert, Getreide durstet. Das unbeständige Wetter ist schuld, sagen die Bauern in Ganderkesee. Sie befürchten Ernteausfälle bis zu 20 Prozent und mehr. Von Thorsten Konkel und Antje Cznottka

„Zu kalt, zu trocken“, klagen örtliche Landwirte in diesen Tagen über das Wetter – und befürchten kräftige Ernteeinbußen von bis zu 20 Prozent. Das Kreislandvolk spricht bereits von einem absoluten Minimum:

Schlimmste Trockenheit seit 1961

Auf 45 Prozent der Fläche Deutschlands ist seit 1961 laut Kreislandvolk ein neues absolutes Minimum der Bodenfeuchte erreicht worden. Deutlich davon betroffen ist auch die Region um den Kreis Oldenburg.

Sommeranfang 2015 am Sonntag

Dem kalendarischen Sommerbeginn an diesem Sonntag ist eine spürbare Abkühlung vorausgegangen: Die „Schafskälte“, so wird der Kälteeinbruch zwischen dem 4. und 20. Juni im Volksmund genannt , wirkt sich zusätzlich wachstumshemmend aus. „Der Mais leidet sichtbar unter der Kälte, seine Blätter zeigen eine typische violett-blaue Verfärbung“, erklärt Landwirt Rainer Bücking. Er ist in Sorge um die Wintergerste auf seinen Feldern am Fahrener Weg.

Hohe Ernteausfälle befüchtet

„Wenn zum Wochenende größere Regenmengen fallen, dann rechne ich mit zehn bis 20 Prozent Ernteausfall. Bleibt es länger so trocken, fällt der Verlust höher aus“, sagt Bücking.

Auch das Ortslandvolk erwartet Ertragseinbußen

Auch Ortslandvolkvorsitzender Cord Wübbenhorst hat seine Hoffnungen auf eine besonders gute Getreideernte schon begraben. „Auf Sandböden ist maximal noch ein durchschnittlicher Ertrag zu erwarten“, blickt er voraus.

Hobbymeteorologe gibt Prognose ab

Juni und Juli seien normalerweise die feuchtesten Monate im Jahr, betont Horst Osterloh, Lohnunternehmer und Hobbymeteorologe in Steinkimmen. „100 bis 120 Liter Regen gibt es eigentlich ungefähr im Juni und Juli“, sagt Osterloh, auf dessen Wetterprognosen sich auch Landwirte verlassen.

In der zweiten Juli-Hälfte und im August wird es laut seiner Wetterprognose zwar wieder mehr Regen geben. „Ob das aber ausreicht, ist allerdings schwer vorauszusagen“, gibt er zu bedenken.

Denn selbst wenn es regne, laufe das Wasser oft in Senken zusammen und versickere nicht gleichmäßig im Ackerboden.

Die in den kommenden Monaten erwarteten Gewitter und Schauer könnten auch Stürme mit sich bringen. Diese Umstände beeinträchtigten auch die Ernte.

Auch Hirse leidet

„Die Hirse wächst zum Beispiel nicht gut. Nachts ist es zu kalt und der Regen fehlt“, erklärt Osterloh. Trifft seine Regen-Prognose für die zweite Juli-Hälfte und August ein, „rettet das den Mais“.

Darauf, dass der Mais wenigstens im Juli, seiner Hauptwachstumsphase, ordentlich Wasser bekommt, hofft auch Rainer Bücking.

Mais schon beeinträchtigt

Allerdings sei der Mais bereits beeinträchtigt, weil er sich ohne Feuchtigkeit nicht gut im Ackerboden verfestigen könne, betont Osterloh: „Der Mais weht wegen der Trockenheit förmlich weg.“ Eine richtige „Regenzeit“ erwartet Osterloh nicht mehr: „Alles in allem bleibt das Wetter wechselhaft.“