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Gesetzentwurf der Landesregierung Brandschützer skeptisch gegen Dienst bis 67

Von Dirk Hamm | 11.04.2017, 11:19 Uhr

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Ein Gesetzentwurf aus Hannover fordert, dass in Freiwilligen Feuerwehren künftig bis 67 statt 63 Jahren aktiver Dienst geleistet wird. Die Kameraden in der Region sind überwiegend dagegen.

Ehrenamtliche Feuerwehrleute könnten künftig bis 67 statt derzeit 63 Jahre ihren aktiven Dienst versehen. Das sieht eine Änderung des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes vor, die die Landesregierung auf den Weg gebracht hat. Bei den Brandschützern in der Region stößt der Gesetzentwurf weitgehend auf Ablehnung.

Kreisfeuerwehrverband gegen höhere Altersgrenze

So hat sich der Kreisfeuerwehrverband des Landkreises Oldenburg in einer Stellungnahme gegen die Anhebung der Altersgrenze ausgesprochen. „Wenn Feuerwehrleute bis 67 im aktiven Dienst stehen sollen, wofür sollen sie dann da sein? Dass jemand in dem Alter noch mit Atemschutzgerät eingesetzt wird, sehe ich kritisch“, meint Diane Febert. Die Ganderkeseerin ist vor einem Monat zur neuen Verbandsvorsitzenden im Landkreis gewählt worden.

Auch Horst-Dieter Meyer, kürzlich in die Altersabteilung versetzter ehemaliger Gemeindebrandmeister in Ganderkesee, hält wenig davon, dass die Feuerwehrleute in Zukunft bis zur Vollendung des 67. Lebensjahres aktive Einsätze leisten sollen: „Mit 63 muss Schluss sein mit dem aktiven Feuerwehrdienst.“

Ablehnung fällt nicht einhellig aus

Meyers Amtsnachfolger, Gemeindebrandmeister Bernd Lembke, bezeichnete die Diskussion um die Altersgrenze auf Nachfrage als „heikles Thema“ und vermied unter Hinweis auf die Stellungnahme des Kreisfeuerwehrverbands eine eigene Einschätzung. Zugleich erklärte er, dass die geplante Neuregelung zwar keine Kann-Bestimmung sei, dennoch bestehe für die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr weiter die Möglichkeit, aus gesundheitlichen Gründen vor Erreichen der Altersgrenze aus dem aktiven Dienst auszuscheiden.

Diane Febert räumt aber auch ein, dass die Ablehnung der Gesetzesänderung unter den Kameraden nicht einhellig ausfällt. Zumal die Älteren von heute nicht mit denjenigen von früher zu vergleichen seien: „Die Lebensqualität ist gestiegen, die Menschen bleiben länger fit.“

In einigen Wehren Sorge um Einsatzbereitschaft

Andreas Tangemann, Vizepräsident des Landesfeuerwehrverbands Niedersachsen, erklärte gegenüber dieser Zeitung, dass bei einer landesweiten Umfrage unter den Kreisfeuerwehrverbänden das Meinungsbild mit etwa 60 zu 40 Prozent zugunsten einer Anhebung der Altersgrenze auf 67 Jahre ausfiel. Tangemann, der zugleich das Amt des Kreisbrandmeisters im Landkreis Oldenburg versieht, nannte als Grund für diese Tendenz die Sorge bei vielen Ortsfeuerwehren in strukturschwächeren Regionen, dass aufgrund von Personalknappheit die Einsatzbereitschaft nicht mehr aufrechterhalten werden könne.

Im Oldenburger Land noch kein akuter Nachwuchsmangel

Zugleich betonte Tangemann, dass die Feuerwehren „im Oldenburger Gebiet recht gut aufgestellt“ seien. Diane Febert teilt diese Einschätzung: „Den viel zitierten demografischen Wandel spüren wir bei den Wehren im Landkreis Oldenburg noch nicht so sehr. Es macht sich schon bemerkbar, dass viele Nachwuchsleute aus den Kinder- und Jugendfeuerwehren gewonnen werden.“

Die 44-Jährige findet es „schade, dass eins oft vergessen wird: Wir leisten unseren Dienst neben dem Beruf, und schon im Berufsleben wird man heute mehr gefordert als früher. In der Feuerwehr ist das auch so: Es gibt neue technische Anforderungen, die Kameraden werden heute mehr geschult.“

Keine Ausnahmen in Ganderkesee

Bereits jetzt ist es nach geltender Regelung in Niedersachsen möglich, wenn die gesundheitlichen Voraussetzungen erfüllt sind, über die 63-Jahre-Grenze hinaus in der Einsatzabteilung zu verbleiben. In Ganderkesee wird jedoch nach Angaben von Birgit Tönjes, der für den Brandschutz zuständigen Fachdienstleiterin, strikt am Wechsel in die Altersabteilung mit Vollendung des 63. Lebensjahres festgehalten.