Ein Angebot der NOZ
Ein Artikel der Redaktion

Gesundheit im Landkreis Oldenburg Klinik hilft mit Erfolgserlebnissen aus der Sucht

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 24.07.2017, 18:21 Uhr

Von den Klassikern unter den Suchtmitteln Abhängige füllen die jeweils rund 50 Betten der beiden Suchtkliniken im Landkreis Oldenburg. Es geht ums Abkommen von der Alkohol-, Drogen- und Medikamentensucht.

Ist Computerspielsucht eine eigenständige Krankheit? – Darüber streiten Experten, doch Gunter Burgemeister, der Leiter der beiden Suchtkliniken der Diakonie im Landkreis Oldenburg, will sich an dieser Diskussion nicht beteiligen. „Ich weiß, dass wir schon einzelne damit belastete Personen betreut haben. Eindeutig im Vordergrund stehen aber die Klassiker: Alkohol, Drogen und Medikamente“, stellt Burgemeister klar, „häufig in einer Mischung der Suchtmittel.“

Auf Zielgruppen spezialisiert

Burgemeister ist Facharzt für Psychologie und Psychotherapie und seit April Chefarzt der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn mit 48 Plätzen und der Fachklinik Oldenburger Land in Neerstedt mit 50 Plätzen. In der Klinik in Ahlhorn werden Jugendliche und junge Erwachsene behandelt, die sich ohne Hilfe nicht vom Suchtverhalten lösen können. In Neerstedt sind es zu 80 bis 90 Prozent Patienten mit einer Intelligenzminderung. Sie kommen aus ganz Deutschland, um die Suchterkrankung zu besiegen. Die Spezialisierung auf diese Klientel hat an Bedeutung gewonnen, seit die Diakonie im Mai in Oldenburg-Kreyenbrück eine neue Suchtklinik eingeweiht hat. „2,5 Prozent der Bevölkerung haben eine Intelligenzminderung, und jeder Zehnte davon lebt mit einer Suchterkrankung“, verdeutlicht Burgemeister, wie wichtig dieses Tätigkeitsfeld ist.

Heilungswunsch muss wachsen

Im Vordergrund steht für den Chefarzt und sein Team aus Therapeuten, Heilerziehungspflegern und Pflegekräften stets eine Frage: „Wie vermittele ich den Wunsch, die Sucht zu beenden?“ Eine Antwort ist die klare Tagesstruktur mit psychologischer Beobachtung und Therapie.

Individuelle Therapieprogramme

„Wir müssen bei jedem einzelnen Patienten neu herausfinden, womit wir das Verlangen nach dem Suchtmittel hemmen können“, sagt Burgemeister. In der Kunsttherapie, bei der Arbeit in den Werkstätten, den Gewächshäusern und in der Küche erreichen die Patienten Erfolgserlebnisse, die Ihnen helfen, zu einem suchtfreien Leben zu kommen. Dazu kommt die soziale Integration. „Das fängt mit ganz banalen Dingen wie dem Essverhalten an“, sagt der 59-Jährige und ergänzt: „Wir müssen den Patienten in die Welt integrieren, aber gleichzeitig seine Welt auch ein bisschen so verändern, dass sie zu ihm passt.“

Wertschätzung wichtig

Vor Ort ist Burgemeister nicht nur für sein Team ein wichtiger Ansprechpartner. Jeder Patient wird beim Rundgang über das weitläufige Gelände mit ein paar Worten begrüßt. „Es ist sehr wichtig, dass unsere Patienten spüren: Ich bin jemandem wichtig“, erläutert Burgemeister.

Erfahrung mit geistiger Behinderung

Burgemeister hat im Saarland studiert und später unter anderem am Sächsischen Krankenhaus Großschweidnitz Erfahrungen in der Therapie geistig behinderter Menschen gesammelt. Zuletzt war er Oberarzt des Landeskrankenhauses im österreichischen Steyr und kam von dort ins Oldenburger Land.