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Gesundheit im Landkreis Oldenburg Zentrale soll Hebammenmangel mildern

Von Reiner Haase | 13.11.2018, 20:45 Uhr

Landkreis Oldenburg/Delmenhorst. Der Landkreis Oldenburg stellt Geld für eine Hebammenzentrale bereit. Sie soll Kontakte vermitteln und Hebammen entlasten. Delmenhorst als Kooperationspartner ist vom Vorstoß überrascht.

Mit Linus im Bauch hat Lara Molde im Jahr 2017 aufregende Tage und Wochen erlebt. Sie hat vergebens nach einer freien Hebamme gesucht, erst in ihrer Heimatgemeinde Ganderkesee, dann im Landkreis Oldenburg und schließlich im Umland. Die Stenumerin hat sich deshalb als SPD-Abgeordnete im Kreistag frühzeitig voll und ganz hinter den Vorschlag der Gesundheitsregion gestellt, eine Hebammenzentrale einzurichten.

Kreis übernimmt 37.500 Euro

Das Engagement trägt offenbar Früchte: Der Sozial- und Gesundheitsausschuss des Kreistags spricht sich über Parteigrenzen hinweg dafür aus, 37.500 Euro für die Hebammenzentrale im Haushalt 2019 zu verankern. „In Oldenburg läuft die Hebammenzentrale seit zwei Jahren sehr gut“, berichtete Anne-Marie Glowienka (CDU) am Dienstag im Fachausschuss. „Die Zahl der Geburten geht rauf und die Zahl der Hebammen sinkt. Wir müssen ihnen Arbeit abnehmen“, ergänzte Thore Güldner (SPD).

Kooperation mit Delmenhorst

Die Hebammenzentrale soll werdende Mütter und niedergelassene Hebammen zusammenbringen und den Selbstständigen Bürokratie abnehmen, damit sie sich stärker auf die Arbeit in der Vor- und Nachsorge konzentrieren können. Wirtschaftlich und zweckmäßig ist es laut Jürgen Ohlhoff, dem Leiter des Gesundheitsamts des Landkreises Oldenburg, die Zentrale in Kooperation mit der Stadt Delmenhorst einzurichten und beim Delmenhorster Institut für Gesundheitsförderung (DIG) anzusiedeln.

Kostenteilung nach Geburtenzahl

Auf der Grundlage der jährlichen Geburtenzahl soll der Landkreis 60 Prozent und die Stadt 40 Prozent der Kosten übernehmen. DIG-Direktor Dr. Johann Böhmann hat das grobe Konzept ausgefeilt und auch im Delmenhorster Rathaus vorgestellt. „Alle einschlägigen Fachbereichsleiter waren dabei und haben das Konzept begrüßt“, so Böhmann. „Ich habe die Hoffnung, dass wir die Möglichkeit haben, das zu realisieren“, ergänzt er. Selbstverständlich habe er seine Ausführungen auch mit Zahlen unterfüttert.

Delmenhorst überrascht

„Wir sind wirklich überrascht und verwundert“, sagt Timo Frers, der Pressesprecher der Stadtverwaltung. Der von Böhmann errechnete Kostenanteil der Stadt in Höhe von 25.000 Euro sei nicht im Entwurf für den Haushaltsplan 2019 zu finden, und es gebe keine Vormerkung, dass noch etwas in die jüngst angelaufenen Haushaltsberatungen in den politischen Gremien kommen könnte. Frers hat auf Initiative unserer Zeitung aus den Fachbereichen bestätigt bekommen, dass es ein Vorgespräch mit Böhmann gegeben hat. „Die Stadt hat grundsätzliche Offenheit signalisiert“, so Frers – mehr aber auch nicht.

Fürsprache erwartet

„Die Stadtverwaltung hat das Konzept unterstützt und inhaltlich ganz toll gefunden“, sagt dagegen Böhmann. Er gehe davon aus, dass die am Gespräch Beteiligten sich dafür einsetzen, dass der Vorschlag durchgeht. Landrat Carsten Harings war gestern überrascht, dass es seitens der Stadt Delmenhorst Probleme geben könnte. „Ich kann nur hoffen, dass meine Leute ihren Job gut gemacht haben“, sagte er.