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Gewaltfrei Lernen Ganderkeseer Grundschüler lösen Konflikte friedlich

Von Thorsten Konkel | 19.11.2015, 14:12 Uhr

An der Grundschule Lange Straße haben Grundschüler der ersten bis vierten Klassen geübt, Konflikte gewaltfrei zu lösen. Das Trainingskonzept gegen Mobbing liefert der Verein „Gewaltfrei Lernen“.

Ganderkesee. „Stopp! Ich möchte das nicht!“, ruft Oliver Henneke am Donnerstagmorgen den Grundschülern von der Langen Straße in ihrer Turnhalle zu – und macht eine abwehrende Handbewegung: Für die Älteren war es eine Auffrischung, Erstklässler erlebten am Donnerstag zum ersten Mal die Strategien, wie sie gewaltfrei miteinander Konflikte lösen oder sich gegen Übergriffe wehren können.

„Eine deutliche Ansage verbunden mit einer klaren Körpersprache, gerade das hilft unseren ,stillen Mäuschen’ dabei, sich durchzusetzen“, sagte Lehrerin Astrid Pape-Westermann. Bereits im dritten Jahr läuft das von Pape-Westermann initiierte Schülerprojekt „Gewaltfrei Lernen“ des gleichnamigen Vereins mit Sitz in Pulheim. Seitdem hat das auf viel Bewegung setzende Anti-Konflikt-Training an der Grundschule auch selbst viel bewegt – zum Positiven: „Die Konflikte auf dem Pausenhof sind deutlich zurückgegangen, Schüler klären ihre Sachen selbst oder mit der Pausenaufsicht, und auch die Lehrer müssen weniger eingreifen“, nannte Schulleiterin Rita Wieneke einige der Vorzüge des Langzeitprojekts.

Gefördert wird es schon seit Beginn an von der Stiftung der Sparda-Bank Hannover. „Rund Zehntausend Euro haben wir in Ganderkesee bereits aufgewendet“, sagte Kathi Krause, Geschäftsstellenleiterin der Bank in Delmenhorst.

Insgesamt profitierten mehr als Hundert Schulen in Niedersachsen, Bremen und Ostwestfalen-Lippe von der Förderung der Stiftung dieser besonderen Konfliktschulung, die der Gewaltprävention und einem verbesserten Lernklima in Grundschulen und weiterführenden Schulen dient.

Das von der Deutschen Sporthochschule in Köln und dem Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung evaluierte Anti-Konflikt-Training zur Förderung sozialer Kompetenzen ist an der Grundschule nachhaltig und breit angelegt. Es bietet weitaus mehr als einige Doppelstunden mit Konflikttrainer Henneke. „Wir bauen die einzelnen Aspekte in den Deutsch-, Sach-, Religions- und Sportunterricht ein“, sagte Pape-Westermann. Teamwork, die Förderung der Sprachfähigkeiten und Selbstverteidigung springen dabei als positive Nebeneffekte heraus. Das Ziel, Ausgrenzung, Aggression, Gewalt und Mobbing völlig vom Schulhof und aus den Klassen zu verbannen ist greifbar nahe – und wird an der Langen Straße von Schülern und Lehrern täglich aufs Neue einfordert .