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Gewalttat jetzt vor Gericht Messerstecherei mit fast tödlichen Folgen in Wardenburg

Von Ole Rosenbohm | 13.03.2017, 19:44 Uhr

Vor der Großen Jugendkammer des Landgerichts Oldenburg muss sich seit Montag ein 18-Jähriger verantworten.

Er soll am 20. Oktober 2016 in Wardenburg auf einen 27-Jährigen mit einem Küchenmesser so oft eingestochen haben, dass dieser fast verblutete. Der Vorwurf: versuchter Totschlag. Am ersten Verhandlungstag machte es den Eindruck, als würde auch die Zeugen eine Strafe wegen der Messerstecherei erwarten – so sehr verstrickten sie sich in Widersprüche.

Obdachloses Opfer war in WG untergekommen

Das Opfer und die drei weiteren Zeugen sind befreundete Bewohner einer Flüchtlingswohnung in Wardenburg. In dieser WG kam ab und an auch der zeitweise obdachlose 18-Jährige für ein paar Tage oder Wochen unter. Man kochte, aß, lebte zusammen. Dann kam es zum Rauswurf.

Der Grund für den Streit konnte zum Prozessauftakt nicht geklärt werden. Die unbeteiligten Zeugen erklärten, davon nichts mitbekommen zu haben. Ein Mann meinte, es habe Ärger um ein gestohlenes Fahrrad gegeben.

Konflikt um eine junge Frau?

Doch der Angeklagte tischte eine andere Version auf: Eine 16-Jährige sei in der WG untergekommen und sogleich den Anmachversuchen der Männer ausgesetzt gewesen. Das spätere Opfer wollte sie mit aufs Zimmer nehmen, er habe das verhindert: „Das gehört sich nicht.“ Es folgten wohl wüsteste Beleidigungen, später auch per Telefon: „Komm runter, wenn du ein Mann bist.“

Viele Fragen sind noch offen: Wer griff an? Hatte auch der 27-Jährige ein Messer? Er selbst streitet das ab. Und der mutmaßliche Täter habe sogar ein zweites Messer gehabt. Klar ist: An Armen, Händen und Kopf zog sich das Opfer Stiche zu. Die aus der Wohnung geeilten Freunde verbanden ihn, retteten ihm vielleicht das Leben. Der mutmaßliche Täter wurde am selben Abend verhaftet, sitzt seitdem in Untersuchungshaft.

Opfer verstrickt sich in Widersprüche

Das 27-jährige Opfer bestritt vor Gericht sehr viel, relativierte immer wieder bei Nachfragen. Das Mädchen und dessen 15-jährige Freundin? Wollte er nie gesehen haben. Dann sagte er, okay, manchmal seien sie da gewesen, hätten in der WG aber nie übernachtet. Immer neue Widersprüche. „Der Übersetzer hat nicht richtig übersetzt“, sagte er einmal.

Wer jetzt aussagt, steht noch nicht fest

Seine beiden Freunde – der dritte Mitbewohner war nicht erschienen, hat sich offenbar abgesetzt – stützten seine Aussagen im Wesentlichen. Doch Richter und Staatsanwalt machten nicht den Eindruck, den Äußerungen Glauben schenken zu wollen. „Die haben sich abgesprochen“, sagte die Anwältin.

Wer am Mittwoch, 15. März, dem zweiten Prozesstag, aussagt, ist unklar. Das Gericht will jetzt die beiden Mädchen und den vierten Mitbewohner finden.