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Gewerkschaft warnt In Delmenhorst und im Landkreis Oldenburg droht Altersarmut

Von Thorsten Konkel und Vincent Buß | 03.12.2018, 18:01 Uhr

Delmenhorst/Landkreis Oldenburg. Altersarmut in einem größeren Ausmaß als bislang angenommen, das könnte laut der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) rund der Hälfte der heutigen Erwerbstätigen in Delmenhorst drohen. Für den Landkreis Oldenburg ist die Prognose ähnlich.

Rund 14000 Arbeitnehmer würden – so, wie sie heute arbeiten – nur eine Rente unterhalb der staatlichen Grundsicherung bekommen. Diesen Ausblick gibt Dieter Nickel, Geschäftsführer der NGG-Region Bremen-Weser-Elbe.

Die Altersarmut drohe sogar, wenn die heutigen Beschäftigten nach 45 Berufsjahren in den Ruhestand gingen. Laut den Erhebungen der Arbeitnehmervertreter liegt die Schwelle für „Alters-Hartz-IV“ in Delmenhorst bei aktuell 801 Euro im Monat. Dabei sind insbesondere die Kosten fürs Wohnen berücksichtigt.

Dies geht aus einer Renten-Analyse des Pestel-Instituts hervor. Die Wissenschaftler aus Hannover haben für die Gewerkschaft amtliche Statistiken ausgewertet. Demnach könnte die Zahl armutsgefährdeter Rentner in Delmenhorst künftig noch deutlich steigen – nämlich dann, wenn die durchschnittliche Rente bis zum Jahr 2030 auf nur noch 43 Prozent des Einkommens abfallen sollte. Dann gäbe es mehr als 16000 Menschen, die nach 45 Beitragsjahren bei einer Rente unterhalb der Grundsicherung landen, so das Pestel-Institut. Nickel spricht von „alarmierenden Zahlen“.

Das sind die Prognosen für den Landkreis Oldenburg

Im Landkreis Oldenburg gäbe es in diesem Fall sogar mehr als 24000 Menschen mit einer Rente unterhalb der Grundsicherung. Fällt die Rente nicht weiter, wären es immerhin 16000 Betroffene. Das sind 38 Prozent der heutigen Erwerbstätigen. Im Landkreis beginnt „Alters-Hartz IV“ bei 734 Euro im Monat.

Wer ein Leben lang gearbeitet habe, müsse später auch von seiner Rente leben können, fordert Nickel. „Am Ende steht hier das Vertrauen in die staatliche Altersvorsorge und damit der gesellschaftliche Zusammenhalt auf dem Spiel.“ Die Bundesregierung hat eine Sicherung des Rentenniveaus bei 48 Prozent bis lediglich 2025 vereinbart. „Das reicht nicht aus“, so Nickel. Die Große Koalition müsse das Rentenniveau längerfristig stabilisieren und möglichst anheben.

Gewerkschaft wendet sich an Staat und Arbeitgeber

Zugleich sieht die NGG die Arbeitgeber in der Pflicht. „Klar ist, dass aus Mini-Löhnen keine Spitzen-Renten werden“, betont Nickel. Gerade in Branchen wie dem Gastgewerbe und Bäckerhandwerk müssen laut der NGG sowohl in Delmenhorst als auch im Landkreis Oldenburg viele Beschäftigte im Alter aufstocken. „Dabei haben Hoteliers, Gastronomen und Bäckermeister bei der Bezahlung durchaus Spielraum“, sagt Nickel.

Anstatt auf Aushilfen mit wenigen Wochenstunden zu setzen, sollten sie reguläre Vollzeitstellen schaffen – und zwar bezahlt nach Tarif“, so der Gewerkschafter. Viele Beschäftigte hätten zwar das Glück, dass der Partner mehr verdiene und so die Haushaltskasse im Rentenalter aufbessere. Doch häufig sei das Geld selbst dann sehr knapp. Gerade wer einen Teilzeit- oder Minijob habe, müsse sich auf einen sehr geringen Rentenbescheid einstellen.

Deshalb fordert Nickel: „Der Staat muss die gesetzliche Rente sichern.“ Und die Arbeitgeber könnten nicht nur in Bezug auf Löhne Verbesserungen schaffen, sondern auch bei Arbeitszeiten und Zusatzvorsorge.