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Glyphosat in der Landwirtschaft Giftspritze hält auf Äckern die Quecke kurz

Von Reiner Haase, Reiner Haase | 13.03.2016, 14:31 Uhr

Ganderkesee/Landkreis Oldenburg. Vor der Aussaat wird auf viele Äcker rund um Ganderkesee das Herbizid Glyphosat gesprüht. Die Verlängerung der Zulassung durch die EU ist aber umstritten.

Die Äcker rund um Ganderkesee sind abgetrocknet, und die Landwirte haben mit der Aussaat der Feldfrüchte begonnen. Vor dem Pflügen und Drillen geht es dem zwischenzeitlich aufgelaufenen Unkraut an den Kragen. Gängigstes Mittel ist der umstrittene Wirkstoff Glyphosat, das Weltmarktführer Monsanto in seinem Produkt Roundup Ready einsetzt. Auch Rainer Bücking, stellvertretender Vorsitzender des Kreislandvolks mit Hof in Fahren etwas außerhalb des Orts Ganderkesee, versprüht das Mittel: „Mir fällt keine brauchbare Alternative ein. Glyphosat baut sich sehr schnell ab. Eine Woche nach dem Einsatz kann der Boden bearbeitet werden und die Einsaat beginnen.“

Umstrittener Wirkstoff

Bückings und anderer konventionell wirtschaftender Landwirte Handeln mit gutem Gewissen stützt sich darauf, dass Glyphosat in der Europäischen Union zugelassen ist und das Bundesamt für Risikobewertung den Einsatz für unbedenklich erklärt hat. Diese Einstufung ist umstritten. Die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat den Wirkstoff als „potenziell krebserregend“ eingestuft.

Neue Zulassung steht an

Ein anderes WHO-Gremium will die Aussagen über konkrete Risiken für Landwirte und Verbraucher bis Mitte Mai aktualisieren. Die EU hat die Glyphosat-Zulassung für weitere 15 Jahre, die in Brüssel schon Ende Februar auf der Tagesordnung stand, vertagt. Entschieden werden soll im Juni. „Das ist kein Problem der Landwirtschaft, das ist ein Problem der Hersteller und der Genehmigungsbehörden“, kommentiert Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolks, den Streit in Brüssel und Berlin.

Ökolandbau geht andere Wege

Mit mechanischer Bekämpfung sei dem Unkraut nicht beizukommen, sagt Praktiker Bücking: „Die Wurzeln der Quecke zerreißen und treiben neu aus.“ Seinem Ja zu Glyphosat steht ein Nein des ökologischen Landbaus zu synthetischen Pestiziden gegenüber. Unkraut sei nicht zu vernichten, sondern mit vielfältigen Fruchtfolgen und modernster mechanischer Technik zu regulieren, erklärt Jan Plagge, Präsident des Ökolandbau-Verbands Bioland. Totalherbizide sind für ihn ein Motor des Schwunds der Artenvielfalt.

Einsatz auch in Gärten

Landwirt Bücking weist darauf hin, dass Glyphosat vielfach auch außerhalb der Landwirtschaft, in Gärten, zur Unkrautbekämpfung eingesetzt wird. „Gerne auch auf Wegen. Der Einsatz auf versiegelten Flächen ist aber streng verboten. Es drohen empfindliche Strafen“, ergänzt Henning Struthoff, Landwirt aus Hude.

Gemeinde setzt auf „Manpower“

Früher der Bauhof und jetzt der in Ganderkesee und Hude tätige Kommunalservice Nordwest verzichten laut Hauke Gruhn, dem Pressesprecher der Gemeinde Ganderkesee schon seit vielen Jahren auf den Einsatz von Herbiziden, die Hausmeister der Schulen ebenfalls. „Manpower“ ist das Stichwort, zum Beispiel mit Krautbürsten an Treckern und Krautbienen, die einem Rasenmäher ähneln. Eine Ausnahme gibt es bei der Bekämpfung des Riesenbärenklaus. Ihm wird mit Genehmigung des Landes und in Abstimmung mit dem Nabu mit dem Wirkstoff Triclopyr zu Leibe gerückt.