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Grenzwerte überschritten Viel zu hohe Nitratwerte in Ganderkeseer Wasser

Von Thomas Deeken | 06.07.2015, 18:05 Uhr

Bei vielen Brunnenwasserproben aus der Gemeinde Ganderkesee hat der VSR eine zu hohe Nitratbelastung festgestellt. Auch für Fischteiche sollte das Grundwasser nicht genutzt werden.

Diplom-Physiker Harald Gülzow vom Gewässerschutz des „Vereins zum Schutze des Rheines und seiner Nebenflüsse,“ kurz VSR, schlägt Alarm: Bei vielen Brunnenwasserproben, die Anfang Juni während einer Informationsveranstaltung auf dem Ganderkeseer Marktplatz abgegeben wurden, sind seinen Angaben zufolge viel zu hohe Nitratwerte festgestellt worden.

Mehr als ein Drittel der Proben schwer belastet

„In mehr als einem Drittel der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter“, informierte Pressesprecher Gülzow. Insgesamt sei bei der Untersuchung das Grundwasser aus 44 privat genutzten Brunnen aus Ganderkesee analysiert worden. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr seien 53 Proben untersucht worden. Bei lediglich einem Viertel habe es Messwerte über dem Grenzwert gegeben.

Deutlich über dem Grenzwert

Die Mitglieder vom VSR-Gewässerschutz fanden nach Angaben von Gülzow 205 Milligramm Nitrat pro Liter in einem privat genutzten Brunnen in Hengsterholz. Weitere sehr stark mit Nitraten belastete Brunnen hätten die Umweltschützer auch in Bergedorf mit 134 Milligramm pro Liter (mg/l), in Steinkimmen mit 100 mg/l, in Bookholzberg mit 107 mg/l und in Ganderkesee mit 120 mg/l registriert.

Nicht mehr zum Trinken und für Teiche geeignet

Das Wasser sei wegen der Überschreitung der Trinkwasserverordnung nicht mehr zum Trinken geeignet. Besonders wichtig sei außerdem, dass derart belastetes Wasser nicht zum Befüllen eines Fischteichs genutzt werden dürfe. Es bestehe die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Diese könnten beim Absterben zum Fischsterben führen. Beim Bewässern mit nitratbelastetem Grundwasser müsse man bei der Düngung bedenken, dass es durch das Gießwasser zu einer zusätzlichen Nitratzufuhr kommt. „Nur wenn man diese in seine Berechnung, mit wie viel Stickstoff die angebauten Pflanzen gedüngt werden müssen, einbezieht, kann eine unnötige Nitratanreicherung verhindert werden“, so Gülzow.

Verursacher Nummer eins ist laut VSR die Landwirtschaft mit der Ausbringung von Gülle und Gärresten. Eine neue Düngeverordnung, die längst hätte in Kraft treten sollen, sei zwingend notwendig.

Hohe Belastung ist bekannt

Auch der Landkreis Oldenburg testet das Grundwasser – „und zwar seit 2012 flächendeckend“, so Dieter Hahn, Leiter des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft. Derzeit gebe es 40 Brunnen, die untersucht würden, drei neue Standorte kämen in diesem Jahr noch hinzu. Im Herbst werde es genaue Zahlen über das Jahr 2014 geben, informierte Hahn. Eine hohe Nitratbelastung im Kreis sei bekannt, bestätigte der Amtsleiter.

Trinkwasser mit exzellenten Werten

Ums Trinkwasser müssen sich die Ganderkeseer dagegen derzeit keine Sorgen machen. „Die Werte sind exzellent. Die Qualität entspricht höchsten Ansprüchen. Wir unterschreiten alle gesetzlichen Grenzwerte deutlich“, sagte Gunnar Meister, Pressesprecher des Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverbandes (OOWV). Gefördert werde das Wasser in Großenkneten aus einer Tiefe zwischen 60 und 90 Metern.