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Grillfest mit Flüchtlingen Sprachbarriere zwingt Zuwanderer in Ganderkesee zum Warten

Von Yannick Richter, Yannick Richter | 18.07.2016, 20:39 Uhr

Die sprachliche Barriere stellt für die in der Gemeinde Ganderkesee lebenden Flüchtlinge nach wie vor das größte Problem dar. Während eines Grillnachmittages rund um die Friedenskirche in Bookholzberg schilderten Zuwanderer im Gespräch mit dem dk dennoch ihre Hoffnung und Zukunftspläne.

Knapp 150 Gäste, weit über die Hälfte davon Zugewanderte, haben am Sonntagnachmittag rund um die Friedenskirche in Bookholzberg ein familiäres Grillfest gefeiert – ein weiterer Beleg für die gute Flüchtlingsarbeit vor Ort und ein Beispiel dafür, wie ein harmonisches Miteinander zwischen geflüchteten Neubürgern und alteingesessenen Einwohnern funktionieren kann.

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Beispiel für gelebte Integration

Während sich die Kinder draußen auf dem Kirchplatz mit Spielgeräten oder auf der Hüpfburg vergnügten, kamen jüngere und ältere Erwachsene in der Kirche zusammen, um sich bei einem Plausch kennenzulernen, Erfahrungen auszutauschen und darüber zu sprechen, wie die Zukunft der Geflüchteten aussieht. Kein Zweifel kam dabei auf, dass auch die neuen Bürger gewillt sind, aktiv ihren eigenen Beitrag zur gelungenen Integration und zum geselligen Gemeindeleben zu leisten. So wurden die Speisen für das Grillbuffet von den ehrenamtlichen Helfern und den Flüchtlingsfamilien selbst mitgebracht und zubereitet, während der Grill gänzlich unter syrischer Kontrolle stand. Dort übernahm Usama Al-Houssein die Leitung und servierte köstliche Fleischspezialitäten aus seiner Heimat.

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Hoffnung auf Berufsrückkehr

Der 42-Jährige ist einer der gut 500 geflüchteten Menschen, die in der Gemeinde eine neue Heimat gefunden haben. Zusammen mit seiner 13-jährigen Tochter Nour und seinem 17 Jahre alten Sohn Abdou wohnt er in Ganderkesee. 28 Jahre lang hat er zuvor als Koch in renommierten Restaurants und Hotels in seinem Heimatland und anderen Länder Vorderasiens gearbeitet. „Ich verfüge über verschiedene Zertifikate und hoffe, dass ich damit in meinen alten Beruf zurückkehren kann“, träumt Al-Houssein von einer Anstellung in einem Gastronomiebetrieb.

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Zwischen Warten und Hoffnung

Wie bei allen anderen Zugewanderten auch sei die Sprache für ihn weiterhin die größte Schwierigkeit. Ohne der deutschen Sprache mächtig zu sein, gehen die Jobaussichten gen Null. Auch wenn der Großteil motiviert sei, Deutsch zu lernen, verlaufe der Spracherwerb zum Teil eher schleppend, gestehen einige Flüchtlinge. Bei den Sprachkursen herrschen oftmals lange Wartezeiten, für Berufsausbildungen sind jedoch Sprachkenntnisse der Niveaustufen B und C erforderlich, sodass sich viele Geflüchtete in einer prekären Lage wiederfinden: zwischen Warten und Hoffnung.

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Deutsch lernen, um arbeiten zu können

Den Glauben an eine glückliche Zukunft haben sie aber trotzdem nicht verloren. „Mein Wunsch ist es, dass ich als Heizungsmechaniker oder Elektriker arbeiten kann“, sagt der Syrer Ahmed Jaafer. Seine Frau Heba hat in der Heimat bereits acht Jahre als Grundschullehrerin gearbeitet. „Ich lerne fleißig Deutsch, um auch hier in der Schule tätig sein zu können“, schaut auch die zweifache Mutter positiv nach vorne.